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Minderjährige Hausangestellte: eine Schweizer Realität

Fazit der Tagung von terre des hommes schweiz vom 21. Oktober 2004 in Basel

In der Schweiz werden minderjährige Hausangestellte ausgebeutet. Ebenso wie in Brasilien, in Tansania oder Frankreich. Die ausbeuterische Situation von Hausmädchen ist ein globales Phänomen. Dies hat die Tagung zum Thema mit Fachleuten aus Brasilien, Tansania, Frankreich und der Schweiz deutlich gemacht.

Die Vorstellung einer eigens in Auftrag gegebenen Studie hat zum ersten Mal Informationen zur Situation in der Schweiz gebracht.
>Zusammenfassung der Recherche

ReferentInnen aus Brasilien, Tansania und Frankreich schilderten die Situation in ihren Ländern. Dabei zeigten sich diverse Unterschiede und Gemeinsamkeiten:

In den Ländern des Südens arbeiten aufgrund der Armut mehr und bereits jüngere Kinder als Hausangestellte. Gemeinsam ist dem Süden und dem Norden allerdings, dass Hausarbeit nicht wertgeschätzt, ja häufig gar nicht als Arbeit angesehen wird. Und überall ist die grosse Mehrheit der in Haushalten tätigen Minderjährigen weiblich. Die Geringschätzung von Frauen und Mädchen, die darin zum Ausdruck kommt, prägt die Ausbeutung, die Hausmädchen erfahren. So sind viele von ihnen sexueller Gewalt seitens der Arbeitgeber ausgesetzt.

Globalisierung produziert Hausmädchen
Die Globalisierung trägt im Süden wie im Norden zum Phänomen bei. Auf der einen Seite Billiglohnarbeit im Süden, welche den Eltern Existenz sichernde Einkommen verunmöglicht und so Kinder zur Arbeit zwingt und Strukturanpassungsmassnahmen, die zum Sparen bei Sozialausgaben führen.

Auf der anderen Seite die Industrieländer, wo das vermeintliche Paradies lockt, die sich jedoch vor den Menschen aus dem Süden abschotten und das Nord-Süd-Gefälle mit ungleichen Handelsbeziehungen aufrechterhalten.

Neben den globalen Zusammenhängen sind weitere Probleme in den Ländern des Südens für die Problematik ausschlaggebend. Wenn soziale Strukturen nicht mehr tragen, sei es aufgrund von HIV/Aids oder anderen Krisen, verlassen Mädchen eher ihre Familie. Dazu trägt auch bei, wenn es als normal angesehen wird, dass Mädchen in Haushalten arbeiten.

Da es meist die Eltern sind, die ihre Kinder aus wirtschaftlicher Not weggeben, führen KIWOHEDE und CEAFRO in ihren Ländern Sensibilisierungskampagnen durch, um dies zu verhindern. Eine Unterstützung solchen Engagements ist bereits jetzt eine Präventionsstrategie von terre des hommes schweiz.

In der Schweiz nicht neu
Es wurde deutlich, dass das Phänomen in der Schweiz keineswegs ein neues ist. Hausangestellte zu haben hat vielmehr eine lange Tradition. Dabei war immer ein Klassengefälle ausschlaggebend, die örtliche Herkunft der Hausangestellten, hat sich allerdings verändert. Zuerst kamen sie vom Land in die Stadt, dann von europäischen Ländern in die Schweiz, nun stammen die meisten aus den Ländern des Südens. Somit ist mit Diskriminierung als Migrantin ein neues Element der Unterdrückung von Hausangestellten dazugekommen.

Generell gibt es von der Erfahrung der ReferentInnen aus Tansania, Brasilien und Frankreich viel zu lernen.

So zum Beispiel von der tansanischen Organisation KIWOHEDE die praktische Unterstützung von Hausmädchen und die Arbeit mit ArbeitgeberInnen.

CEAFRO aus Brasilien zeigt, wie minderjährige Hausangestellten auf die rassistische und sexistische Unterdrückung, der sie ausgesetzt sind, sensibilisiert und darin bestärkt werden können, sich zu wehren. Das französische Comité contre l’esclavage moderne bietet Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Justiz und dem Umgang mit einer restriktiven Migrationspolitik.

Was ist zu tun?
In der Podiumsdiskussion wurde der dringende Handlungsbedarf für die Schweiz deutlich: Die Grundrechte von minderjährigen Hausangestellten müssen gewährleistet werden und sie müssen sich gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen wehren können, ohne Gefahr zu laufen, ausgeschafft zu werden.

Eine offenere Migrationspolitik, die sich an den Kinderrechten orientiert, tut not. Und gesetzliche Regelungen wie die Schulpflicht müssen für migrierte Minderjährige genauso gelten wie für schweizerische,

Damit eine Empowerment-Strategie greifen kann, muss der Zugang zu den minderjährigen Hausangestellten gefunden werden. Dafür sind konkrete Angebote von Beratungsstellen ebenso notwendig wie eine Sensibilisierung von Bevölkerung und Behörden, damit die Problematik überhaupt wahrgenommen wird.

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