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«Ich dachte, ich wäre ganz alleine.»

Globalisierung ist ein oft gebrauchter Begriff zur Zeit. Lange bevor der Begriff in Mode kam, hat terre des hommes schweiz über Zusammenhänge von Reichtum in Norden und Armut im Süden informiert. Mit unserer aktuellen Kampagne zur Situation von Hausmädchen zeigen wir die Auswirkungen auf jene Menschen auf, die auf der Verliererseite der sogenannten Globalisierung stehen.

Von Sonja Matheson

Teddy ist 16. Sie erzählt gefasst, was ihr widerfahren ist. Die Umstände haben sie gezwungen, eine Arbeit anzunehmen. Für heranwachsende mittellose Mädchen gibt es nicht viele Optionen: Hausarbeit oder die Prostitution.

Teddy lebt in Tansania. Sie teilt ihre Geschichte mit hunderttausenden Mädchen im Land. Ihre Aussage, «Ich dachte, ich wäre ganz alleine», ist symptomatisch. Ausbeutung und Misshandlung gehen einher mit der Isolation, in der die Mädchen leben. In der Stadt arbeiten sie für fremde Menschen und werden von der Aussenwelt abgeschnitten. Das Glück fairer ArbeitgeberInnen haben nur wenige, diese leben oft selbst an der Armutsgrenze oder nutzen ihren sozialen Aufstieg zur Unterdrückung der Mädchen aus.

Individuelle Lebensgeschichten
Hinter dem trockenen Begriff „Hausmädchen“ verbergen sich einerseits individuelle Lebensgeschichten, geprägt von Ausbeutung, Entwürdigung und Perspektivelosigkeit. Kinder, die wir auf unseren Reisen antreffen, zu schüchtern, um von ihrer Not zu erzählen. Kinder, die in von uns geförderten Projekten allmählich eine Sprache finden, für das, was ihnen geschehen ist. Kinder, die millionenfach in den Statistiken der UNO auftauchen, um gleich wieder in den Millionenstädten der Dritten Welt zu verschwinden. Kinder, die als erwachsene Frauen gezwungen sind, sich zu prostituieren, weil sie ohne Bildung und ohne Kapital keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Oder sie migrieren, zum Beispiel in die Schweiz, um hier als Putzfrau zu arbeiten. Nicht selten als Schwarzarbeiterin und zu ähnlich schlechten Arbeitsbedingungen wie in ihrer Heimat.

Folgen der Globalisierung
Allerdings: Dass Mädchen als Hausangestellte arbeiten – manche sind jünger als zehn –, ist nicht bloss eine Frage des individuellen Schicksals, sondern die Folge einer lange Kette von Ereignissen. Minderjährige Hausmädchen stehen exemplarisch für die Folgen für unausgeglichene Nord-Südbeziehungen. Jenes Phänomen, das unter dem Schlagwort Globalisierung durch Zeitungsspalten geistert und unpolitisch geglaubte Jugendliche mobilisiert.

Hinter hitzig geführten Debatten stehen reale Fakten: Sinkende Kaffeepreise auf dem Weltmarkt, Billigproduktion von Textilien für den Westen, Privatisierung von Wasserressourcen.

Doch ganz zu Beginn geht es um Menschen. Wenn der Kaffeebauer kein Einkommen aus seiner Ernte hat, wandert er in die Stadt ab. Dort erwartet ihn das Armutsviertel und die Arbeitslosigkeit. Vielleicht schämt er sich, erfolglos zur Familie zurückzukehren und taucht in der Anonymität unter.

Arbeit um jeden Preis
Die Frau kämpft unterdessen mit den Kindern ums Überleben. Für die Mädchen gibt es als erste kein Schulgeld, sie werden angehalten, Geld zu verdienen – um jeden Preis. Bei der erstbesten Gelegenheit wird nicht gezögert, auch wenn es sich um eine Schlepperbande handelt, die die Kinder in die Stadt lockt und dort als billige Arbeitskräfte verhökert.

Die Schuldigen sind nicht immer leicht auszumachen. Tatsache bleibt, dass der Graben zwischen GewinnerInnen und VerliererInnen sich stets weitet und zu zunehmenden Spannungen führt.

Unserem entwicklungspolitischen Verständnis zufolge haben wir seit je darauf hingewiesen, dass Solidarität sich nicht in einer Hilfeleistung für Notleidende erschöpfen darf. Es braucht eine rationale Untersuchung und Beurteilung der Ursachen – nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch sozialer Katastrophen.

Stellung beziehen
Deshalb nehmen wir Stellung, wenn es um die Aussenpolitik der Schweiz geht, deshalb führen wir Kampagnen durch, die verborgene Fakten aufzeigen, deshalb stellen wir Forderungen an Grosskonzerne, ihr Verhalten zu ändern. Deshalb fördern wir Projekte, in denen die Menschen an der Basis die Chance erhalten, sich zu informieren, sich zu wehren und Einfluss zu nehmen.

Deshalb erzählen wir die Geschichte von Teddy. Deshalb führen wir Kampagnen in der Schweiz durch, damit auch Sie etwas tun können. Nicht nur bei der nächsten Spende, sondern zum Beispiel bei der nächsten Tasse Kaffee.

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