16.11.2017

Das überraschend unspektakuläre Ende einer zu lange dauernden Ära

Lange schien die Macht Robert Mugabes in Zimbabwe unantastbar. Nun hat ihn seine Armee unerwartet in einer Nacht-und-Nebel-Aktion unter Hausarrest gestellt und seine nächste Entourage entmachtet. Unsere Mitarbeitenden und Partnerorganisationen bestätigen, dass die Lage im Land bisher ruhig geblieben ist.

Sascha Tankerville, Medien und Information

Aktualisiert am 12.12.2017 (s.u.)

Seit 37 Jahren leitet Robert Mugabe die Geschicke Zimbabwes. Als Führer im Kampf um die Unabhängigkeit seines Landes und dem folgenden Aufbau des freien Zimbabwes hat er seinen Landsleuten gute Zeiten beschert. In den letzten zwei Jahrzehnten war seine Regierung aber zunehmend von wirtschaftlichem Niedergang, Ausbeutung und politischen Repressalien geprägt. Unerwartet setzte das Militär seiner Herrschaft nun in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch ein Ende. Bis jetzt gewaltlos. Ohne Blutvergiessen übernahm es die Kontrolle über die wichtigen Regierungsstellen, Medien und Flughäfen und verhaftete Teile der Landesführung. Mugabe und seine Entourage stehen seither unter Hausarrest.

Mitarbeiter in Sicherheit
Natürlich machen wir, terre des hommes schweiz, uns Gedanken, um die Sicherheit unserer drei Mitarbeitenden, die zusammen unsere Organisation vor Ort vertreten. Wir stehen in regelmässigem Kontakt mit ihnen und ihre Rückmeldungen sind bisher beruhigend. Es geht ihnen gut und sie sind sicher. In Harare ist die Lage ruhig, in den Strassen ist lediglich ungewöhnlich viel Militär präsent. Bis zur Entspannung der Situation bleiben unsere Leute zur Sicherheit aber zu Hause. Ähnliche Meldungen erreichen uns auch von unseren vier Partnerorganisationen in Harare und Bulawayo (zweitgrösste Stadt Zimbabwes).

Vorsichtiger Optimismus
Es macht den Anschein, dass die Lage im Land ganz allgemein weitgehend ruhig bleibt. Der Militärcoup spielt sich bisher vor allem in der Hauptstadt Harare ab. Dort scheint sich laut Medienberichten unter der Bevölkerung vorsichtiger Optimismus durchzusetzen. Jede Veränderung werde in Kauf genommen, solange sie die Amtszeit von Mugabe beendet, der das Land mit seiner Familie jahrelang ausgeplündert habe. Das Fass zum Überlaufen brachte, dass Mugabe letzte Woche seinen langjährigen, mit den Streitkräften und der Polizei bestens vernetzten, Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa absetzte. Dies wurde als Bestätigung gedeutet, dass Robert Mugabe seine Frau Grace, wegen ihres Hangs zum Luxusshopping "Gucci Grace" genannt, als seine Nachfolgering etabliert – was, laut der britischen Zeitung The Guardian, von der Mehrheit der Bevölkerung aber nicht akzeptiert werde.

Ungewisse Zukunft
Da die Regierung Mugabes auf dem Land den grösseren Rückhalt hat, bleibt abzuwarten, ob die Machtablösung weiterhin ohne gewalttätige Auseinandersetzungen abläuft. Momentan finden gemäss Medienberichten Gespräche zwischen der Armeeführung, Mugabe und seiner Entourage und den Oppositionellen des Landes statt. Entscheindend wird auch die Vermittlung durch benachbarte Staaten wie Südafrika sein. Welchen Weg Zimbabwe und seine Machthaber in den kommenden Tagen einschlagen und inwiefern das Land auf lang benötigte Reformen hoffen darf, ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen.

Updates:

21.11.2017 (Hafid Derbal - Programmkoordinator Zimbabwe)

Robert Mugabe ist zurückgetreten. Das, worauf vor zwei Wochen die optimistischsten Analysten nicht einen zimbabwischen Cent gewettet hätten, ist seit dem Abend des 21. November 2017 Realität. Jubel herrscht in der Bevölkerung und im Parlament, denn zu viele haben im letzten Jahrzehnt unter Mugabes Regime gelitten. Allerdings besteht kein Grund zur Euphorie, denn lediglich die Führung hat gewechselt, nicht aber die Macht. Sie bleibt in den Händen der Regierungspartei und sie wird noch beweisen müssen, ob sie nun die dringend benötigten Reformen zur Sanierung der Wirtschaft und für mehr Freiheitsrechte einleiten und umsetzen kann.

12.12.2017 (Hafid Derbal)
Der neue Präsident Emmerson Mnangagwa hat sein neues Kabinett benannt und es bestätigt sich, dass Zimbabwe im letzten Monat mehr einen Führungswechsel als einen Machtwechsel erlebt hat. Die Gesichter der neuen Regierung bleiben weitgehend diejenigen des Mugabe-Regimes. Während der neue Präsident wegen seiner reformorientierten Haltung weiterhin viel Zustimmung geniesst, wird sein Kabinett dafür kritisiert zu wenig breit aufgestellt zu sein. Weder Experten noch die Opposition dürfen vorerst mitgestalten, obwohl diese Kräfte einer dringend benötigten Reformagenda wichtige Impulse geben könnten. Zwar wird erwartet, dass die Wirtschaft sich unter der neuen Führung etwas erholt, doch rücken Demokratie- und Regierungsreformen damit erst einmal in weite Ferne. Nicht zuletzt ist damit auch die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die geplanten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2018 stattfinden werden. Ob diese Wahlen dann fair und frei ablaufen ist jedoch zu bezweifeln.

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Bild von unserem Newsletter vom Juli 2014.

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