20.11.2018

Wüstensturm um ABB und LafargeHolcim

In der Westsahara sammeln sich lautstarke Demonstranten, die gegen die beiden Schweizer Konzerne ABB und LafargeHolcim protestieren. Aus Sicht der einheimischen Sahrauis verstossen die Firmen gegen internationales Recht, weil sie im besetzten Teil der Westsahara Geschäfte treiben. Die Westsahara wird seit 43 Jahren von Marokko besetzt gehalten.

Sahrauis protestieren gegen die ABB.

«ABB you are not welcome in Western Sahara» steht in grossen Buchstaben auf dem Transparent, das die Sahrauis neben ihrer Flagge hochhalten. Lautstark tun sie ihren Unmut kund. Mit gutem Grund. Weil ihre Heimat seit 1975 von Marokko besetzt ist, müssen viele Sahrauis in algerischen Flüchtlingslagern leben. Ein Zustand, den die beiden Schweizer Konzerne mit ihren Geschäften in der Westsahara zementieren.


Solange das wirtschaftliche Interesse der Besetzer an der Westsahara erhalten bleibt, ist an eine Lösung des Konflikts nicht zu denken. An den Aktivitäten von LafargeHolcim verdient das marokkanische Königshaus direkt mit, ihm gehört die Hälfte der Tochterfirma – LafargeHolcim Maroc. Diese baute 2016 einen Frachthafen, von dem aus das Phosphat der staatliche-marokkanischen Bergbaufirma verschifft wird. Phosphat ist wichtige Einnahmequelle für Marokko, mit der auch die Besatzung mitfinanziert wird.
 
Marokko baut das Konfliktmineral im besetzten Gebiet ab und verstösst damit gegen internationales Recht. Laut UNO müssen die Sahrauis von der Ressourcennutzung direkt profitieren und müssen mit ihrem Abbau einverstanden sein. Eine Bestimmung, die auch die Schweiz mitträgt. Beides ist faktisch nicht der Fall. So unterstützt LafargeHolcim mit ihrem Engagement den Verstoss gegen das Völkerrecht. «Die Schweizer sind als gerechtes Volk bekannt. Sie sollten sich nicht an sahrauischen Ressourcen bedienen», sagt eine Demonstrantin ins Mikrofon. Fraglich wie lange die Schweiz hier diesen Ruf noch hat. Neben LafargeHolcim ist auch die ABB in der Westsahara engagiert.
 
Marokko baut in der Westsahara grössere Windparks, unter anderem mit Bauteilen aus der Schweiz. Der Energietechnik-Produzent aus Zürich lieferte bereits eine Komponente in die Westsahara und weitere könnten folgen. Auch damit wird der Konflikt genährt, denn mit jedem neuen Infrastrukturprojekt im Gebiet wandern Marokkaner als Siedler in das besetzte Gebiet. Möglicherweise als künftige Stimmbürger, wenn es tatsächlich zur 1991 beschlossenen Volksabstimmung kommt. Mit ihr können die Sahrauis über ihre Selbstbestimmung befinden.
 
Die Abstimmung wird aber seit ihrem Beschluss vor 27 Jahren verzögert. Marokko will seine Siedler mitbestimmen lassen, womit die Sahrauis nur begrenzt einverstanden sind. Wer also in der Westsahara bei Infrastrukturprojekte mitbaut, fördert den Zuzug von Siedlern und damit den Konflikt. Die letzte Kolonie Afrikas bleibt bestehen.

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