19.03.2019

Die Krise in Moçambique hat erst begonnen

Der Wirbelsturm "Idai" zog eine Schneise der Verwüstung durch Moçambique und Zimbabwe. Die zweitgrösste Stadt Moçambiques Beira liegt in Trümmern, die Regierung Moçambiques befürchtet über 1000 Todesopfer. Einige unserer Projekte liegen im Krisengebiet. Seit dem Sturm, der von Donnerstag bis Samstag wütete, konnten noch nicht zu allen Partnern Kontakt aufnehmen. Dieser Artikel wird laufend mit neuen Informationen aus dem Krisengebiet ergänzt.

Schwarzes Mädchen lehnt sich an eine Lehmwand ihrer Hütte an, neben ihr die Trümmer einer anderer Wand.

29.03.2019, 18 Uhr

Entlastung der Eltern und Traumabewältigung

Sich um Nahrungsmittel kümmern, die niedergerissenen Häuser aufbauen und gleichzeitig die Kinder versorgen, die vom Sturm noch immer traumatisiert sind ­– die Situation in Chimoio in West-Moçambique ist für Familien sehr belastend. Besonders weil der Transport von Hilfsgüter dorthin und damit die Beschaffung von Lebensmitteln für die Bevölkerung schwierig ist. Zwar schwillt die Flut auch im überschwemmten Gebiet rund um Beira ab, die Wassermassen hinterlassen aber überall Trümmer.
 
Wir wissen nun, dass zwei von vier Betreuungszentren unserer Partnerorganisationen wieder aufgebaut werden müssen. In den beiden intakten Zentren bieten unsere Partner nun Programme für Kinder und Jugendliche an, um die Eltern zu entlasten. Tagesstrukturen mit Spielen, Gesprächen und anderen Aktivitäten sollen die Kinder vom Alltag im Katastrophengebiet ablenken, bis sie wieder in die Schule können. So wissen die Eltern, dass die Kinder gut versorgt sind und können sich um den Wiederaufbau kümmern.
 
Wie in Zimbabwe müssen die Jungen dringend psychosozial betreut und von den traumatischen Erlebnissen abgelenkt werden. Sonst kreisen die Gedanken ständig um die tragischen Ereignisse, was der Psyche langfristig schaden kann. Unsere Partnerorganisationen arbeiten dabei mit dem Lösungsorientierten Ansatz, um die Jugendlichen und Kindern mental auf den Weg aus der Krise vorzubereiten. Das passiert bei den meisten Fällen in Gruppengesprächen und bei besonders schweren Traumata in Einzeltherapien.
 
Die Partnerorganisationen verteilt Schulmaterial, da viel davon im Wirbelsturm verloren ging. Am liebsten würden sie die Kinder auch mit Essen und Trinken versorgen. Es ist aber noch unklar, ob die Organisation überhaupt an Nahrungsmittel kommt. Die Lage ist prekär, weshalb auch die Gewalt zunehmend zum Problem wird. Besonders gegen leicht Verwundbare, zum Beispiel junge Mütter. Auch für sie soll das Zentrum einen sicheren Ort bieten, denn sonst können sie in Chimoio nirgendwo hin. 
 
22.03.2019, 18 Uhr

Wir betreuen traumatisierte Kinder und Jugendliche

Der Wirbelsturm wütete nicht nur in Moçambique sondern traf auch den Osten Zimbabwes. Trevor Chrimambowa, der Direktor unserer Partnerorganisation MMPZ wurde um Hilfe im Katastrophengebiet gebeten. Er hat langjährige Erfahrungen in der psychosozialen Betreuung (PSS) und in der Beratung von Jugendarbeitern. Im Krisengebiet leitet er ein Team für psychosoziale Betreuung. Viele Kinder und Jugendliche haben schreckliche Erfahrungen gemacht und sind oft traumatisiert. Wir konnten Trevor trotz schlechter Verbindung einige Fragen stellen.

Wie ist die Lage in Zimbabwe? Was ist im Krisengebiet zu sehen?
Die Situation hier ist schlimm, besonders weil das Krisengebiet in den Bergen liegt. Die Strassen sind nicht passierbar, wir werden mit den Rettungskräften und Ärzten mit dem Helikopter eingeflogen. Im Zyklon rissen Wassermassen Häuser nieder. Viele Menschen wurden verschüttet. Viele Kinder und Jugendliche mussten zusehen, wie Menschen starben. Manche lagen neben ihren toten Geschwistern und Freunden, bis sie gerettet wurden. Und es stecken immer noch Menschen fest. Teams versuchen sie herauszuholen und die Leichen zu bergen.

Was sind die dringendsten Bedürfnisse der Leute dort? Welche besonderen Bedürfnisse haben die Kinder und Jugendlichen?
Die dringendsten Bedürfnisse sind Nahrungsmittel und Kleidung. Die Teams hier verteilen das nötigste. Die traumatisierten Kinder müssen psychologisch betreut werden und brauchen Beschäftigung, damit sich die Gedanken nicht ständig um das Erlebte kreisen. In der nächsten Zeit können psychische Folgen des Traumas auftreten. Darauf müssen Eltern und Betreuungspersonen vorbereitet werden. Sie müssen wissen, was sie bei Reaktionen auf das Trauma tun können und wo sie Hilfe bekommen.

Welche Hilfe könnt ihr vor Ort konkret leisten?
Wir wurden gebeten, als technische Partner die Aktivierung der Jugendlichen und Kinder im Krisengebiet zu leiten. Dafür haben wir ein Team von Sozialarbeiterinnen und Projektmitarbeitern bekommen. Unser Team hilft mit, den psychosozialen Zustand der Kinder und Jugendlichen einzuschätzen. Es ist wichtig herauszufinden, ob sie spezielle Hilfe oder Sofortmassnahmen brauchen. Wir helfen mit, die Kinder zu beschäftigen, weil die Schulen geschlossen sind.

Wir klären die Eltern und Familien darüber auf, wie die Kinder und Jugendlichen auf das Trauma reagieren könnten und wie sie bei gewissen Verhaltensweisen helfen können. Wir zeigen ihnen unsere PSS-Tools, damit auch sie später erkennen, welche jungen Menschen nach der Sofortmassnahme weitere Hilfe brauchen. Ausserdem müssen Meldestellen und Informationswege zwischen der psychologischen Betreuung und der Sozialhilfe eingerichtet werden, damit die psychologische Hilfe am richtigen Ort ankommt.

Was wäre anders, wenn du und dein Team nicht vor Ort wärt?
Ohne unseren Beitrag, werden die Leute gerettet und mit dem nötigen Versorgt aber es kümmert sich niemand um die psychischen Schäden bei den Jugendlichen und Kindern. Bei vielen Jungen würde der stille Schrei nach Hilfe unbemerkt bleiben. Das hätte später Auswirkungen, die mit dem Trauma heute nicht in Verbindung gebracht werden würde. Unwissentlich würden Lehrer, Eltern und Betreuungspersonen die Kinder immer wieder re-traumatisieren. Das ist hier leider bereits passiert. Eine ungeschulte Organisation liess die Kinder ihre Erlebnisse erzählen. In der Trauma-Betreuung ist das ein No-Go. Wir haben sofort davon abgeraten.
 

 
21.03.2019, 18 Uhr

Wasser verursacht Krankheiten

Nach der zerstörerischen Flut richten die Wassermassen nun auch medizinischen Schaden an: In Beira wurden erste Cholerafälle bestätigt. Die hochansteckende Durchfallerkrankung ist ohne Behandlung oft tödlich. Mit den schlechten hygienischen Bedingungen droht eine gefährliche Epidemie. Zu verhindern ist das nur mit rascher Versorgung mit sauberem Trinkwasser und Nahrungsmitteln, denn geschwächte Menschen sind besonders anfällig.

In gewissen Teilen Beiras schwillt die Überschwemmung langsam ab. Das bedeutet zwar eine gewisse Erleichterung, aber nur für diese Regionen. An anderen Orten steigt der Pegel mit dem Wasser offener Staudämme in den Bergen weiter an. Die Krise ist noch lange nicht überstanden.

Aus der ganzen Welt treffen in Moçambique immer mehr Rettungsteam ein. Ihre grösste Herausforderung bleibt die Logistik, denn die Flut macht nach wie vor viele Landwege unpassierbar und der andauernde Regen schränkt den Flugverkehr ein. Entlang der Küste holen Fischer mit ihren Booten die Menschen von ihren Dächern. Der Luftraum-Koordinator im Krisengebiet redet von 60‘000 Menschen, die von Dächern gerettet werden müssen.

Mittlerweile haben wir auch die ersten Bilder von unseren Partnerorganisationen aus Chimoio erhalten. Dort ist das Wasser zwar an vielen Orten abgeflossen. Die rudimentären Häuser und Hütten bieten aber kaum mehr Schutz gegen die immer wieder kommenden Regenfällen.
   
21.03.2019, 16:30 Uhr

Radarbild zeigt Katastrophe

Der Universität Edinbrugh gelang es, mit Radar-Strahlen die Wolkendecke zu durchdringen und ein Satellitenbild von den Überschwemmung zu machen. Es zeigt wie das Meer nun tief ins Landesinnere ragt. Es wird dauern, bis sich das Wasser wieder zurückzieht.


 
20.03.2019, 18 Uhr

Jugendliche stecken fest – ohne Dach und Nahrung

Unsere Partnerorganisation Lemusica meldet, dass eine Gruppe Jugendlicher in einem abgelegenen Trainingszentrum festsitzen. Der Sturm hat die Zugangsstrassen und die Gebäude zerstört. Nun müssen sie unter freiem Himmel verharren und mit jedem Tag werden die Nahrungsmittel knapper. Die Rettung aus der Luft lässt aber auf sich warten. Auch die Menschen in der Stadt Chimoio, wo Lemusica ihren Sitz hat, sind schwer getroffen. Mehrere Hundert jugendliche Teilnehmer, deren Familien und Mitarbeiter von Lemusica verloren im Wirbelsturm ihre Obdach. Und viele Organisationen vor Ort haben ihre Infrastrukturen verloren. Bei einer Schule wurde das komplette Baumaterial, mit dem weitere Klassenzimmer gebaut werden sollten, weggeschwemmt.
 
20.03.2019, 17 Uhr

Nothilfe in Moçambique läuft langsam an

Wie unsere Nationalkoordinatorin Paula Macave aus dem Meeting mit dem Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP) berichtet, läuft die Hilfe der Nothilfeorganisationen langsam an. Aufgrund des starken Regens in der Region und der schwierigen Kommunikation, bleibt es weiterhin eine grosse Herausforderung an wichtige Informationen zu kommen.
 
Mittlerweile wurde der nationale Notstand ausgerufen, den Hilfeteams fehlt aber noch der Überblick. Im Vordergrund steht jetzt kurzfristige Hilfe, denn viele Menschen müssen von Dächern und Bäumen gerettet werden. Um Krankheitsausbrüche zu verhindern, müssen die Menschen dringend mit Wasser versorgt werden. Aus Mangel trinken Menschen verunreinigtes Wasser und können dadurch gefährliche Durchfallerkrankungen bekommen. Ein grosses Problem ist es auch, die Obdachlosen in Notunterkünften unterzubringen, da viele Gebäude zerstört oder unbewohnbar sind. Wegen den zerstörten Strassen und dem überforderten Flughafen in Beira ist die Logistik äusserts schwierig.

Die Katastrophe ist noch nicht überstanden. Die Vereinten Nationen geht davon aus, dass sich die Lage vor Ort verschlechtern wird, weil es bis morgen weiteren Niederschlag geben wird. Ausserdem steht zu befürchten, dass das benachbarte und ebenso betroffene Zimbabwe demnächst seine Dämme öffnet, um die Überschwemmung zu bekämpfen. Dieses Wasser fliesst durch Moçambique gen Ozean.
 
20.03.2019, 11 Uhr

Dritte Partnerorganisation erreicht!

Wir sind erleichtert. Unsere Nationalkoordinatorin Paula Macave konnte auch die letzte Partnerorganisation erreichen. Auch dort sind zum Glück alle unverletzt. Der materielle Schaden ist aber wie überall in der Region riesig. Hart getroffen sind vor allem die Jugendlichen, mit denen wir arbeiten. Ihre Familien haben innert Tagen alles verloren. Das wenige, das sie besassen, ihr Dach über dem Kopf und die Ernte. Wir befürchten, dass die Zerstörung der Felder eine ernste humanitäre Krise auslöst. Wir unterstützen darum unsere Partnerorganisationen bei der ersten Nothilfe und beim Wiederaufbau. Zu diesem Zweck haben wir einen Nothilfefonds für Moçambique eingerichtet. Wir sind dankbar um jede Spende!


19.03.2019, 15 Uhr

Weiterhin keinen Kontakt mit abgelegenen Orten.

Unsere Nationalkoordinatorin Paula Macave beschreibt aus Moçambique die Lage

„Die Situation in Moçambique ist sehr besorgniserregend und es gibt viele Todesopfer, auch wenn das ganze Ausmass der Situation noch nicht abschliessend beurteilt werden kann.
Die Kommunikation ist sehr schwierig. Gestern habe ich mit einer Mitarbeiterin unserer Partnerorganisation gesprochen. Sie berichtet, dass in den Dörfern viele Menschen ihren gesamten Besitz verloren haben. Bei der anderen Partnerorganisation, die wir erreichen konnten haben Mitarbeiter ihre Häuser verloren, viele weitere wurden überflutet. Die Dörfer, in denen die Partner arbeiten, sind abgeschnitten. Viele Zufahrtsstrassen sind zerstört und es gibt keine Telefonverbindung. Darum ist der Kontakt zur abgelegenen dritten Organisation nicht möglich. In der betroffenen Provinz Manica regnet es weiterhin stark, was die Rettungsarbeiten massiv erschwert.“

Hier zeigen Bilder das Ausmass der Katastrophe!
 
19.03.2019, 10 Uhr

Verwüstung kaum Abzuschätzen

Mit 160 km/h fegten die Sturmwinde über die halbe Million Einwohner in Beira. Regen und Meer fluteten die Strassen und rissen selbst solide Häuser nieder. Das Ausmass der der Katastrophe ist nur langsam nachvollziehbar, die Kommunikation ist in weiten Teilen des Landes zusammengebrochen. Sicher ist aber: Die Konsequenzen für die Bevölkerung sind verheerend. Fast 90% der Stadt wurden zerstört. Nach einem Flug über die betroffenen Gebiete spricht Präsident Nyusi von über 1'000 Toten.

Auch die Partnerorganisationen von terre des hommes schweiz wurden hart getroffen. Von der Küste Beiras aus hatte sich der Zyklon seinen Weg Richtung Zimbabwe gebahnt und traf dabei die Stadt Chimoio. Dort haben drei unserer moçambiquanischen Partnerorganisationen ihren Sitz – zwei davon konnten wir erreichen.

Die gute Nachricht ist, dass nach aktuellem Stand bei keinem unserer Partner Mitarbeiter, Angehörige oder Projektteilnehmer ihr Leben verloren haben. Aber im Sturm sind bei vielen Häuser zerstört und überflutet worden. Wie gross der Schaden bei unseren Partnerorganisationen ist, ist auch vor Ort kaum abzuschätzen. Von der dritten Partnerorganisation in Chimoio fehlte jegliche Information. Sie ist von der Kommunikation abgeschnitten.

Moçambique zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Fast zwei Drittel der Menschen leben von weniger als zwei Schweizer Franken pro Tag. "Idai" hat nicht nur Häuser und das wenige Hab und Gut der Menschen zerstört, sonder der Zyklon auch die komplette Ernte vernichtet. Für mehrere Hundertausend Menschen droht eine schwere humanitäre Krise.

Um den schnellen Wiederaufbau unserer Partner zu ermöglichen, haben wir einen Nothilfefonds für Moçambique eingerichtet. Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Wir werden sie hier bezüglich der Situation vor Ort auf dem Laufenden halten.

Symbolbild Briefumschlag und ein Plus rechts unten in der Ecke.

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