07.04.2018

"Sie werden uns nicht zum Schweigen bringen!"

Die Ermordung der Stadträtin und Menschenrechts-Aktivistin aus Rio de Janeiro, Marielle Franco, traf unsere Partnerorganisationen in Brasilien wie ein Schlag ins Gesicht. Die Organisationen, die zu Gewaltprävention in Favelas arbeiten, haben das Gefühl es könnte sie jederzeit genauso treffen.

Andrea Zellhuber, Fachstelle Gewaltprävention

Frauen stehen hinter einem grossen Banner und halten kleine Plakate mit Portraits in die Höhe.

Marielle Franco, Stadträtin aus Rio de Janeiro, wurde in der Nacht vom 14. März 2018 zusammen mit ihrem Fahrer Anderson Gomes auf der Rückfahrt von einer Veranstaltung für die Rechte schwarzer Jugendlicher in ihrem Auto erschossen worden. Die Ermittler und grosse Teile der schockierten Öffentlichkeit gehen von einem politischen Attentat aus. Seit Jahren prangerte sie die massenhafte Ermordung von Jugendlichen in den Armenvierteln an. Zuletzt kritisierte sie vor allem die ausufernde Polizeigewalt scharf. Noch wenige Tage vor ihrer Ermordung veröffentlichte sie einen Text, in dem sie das 41. Bataillon der Militärpolizei Rios beschuldigte,  drei Jugendliche in den Favelas Acari und Jacarezinho getötet zu haben.

Protestwelle breitete sich im Land aus
Mit der Tötung von Marielle Franco ist eine wichtige Stimme im Kampf gegen die perverse Gewalt  zum Schweigen gebracht worden. Doch in ganz Brasilien finden seit dem tragischen Ereignis Kundgebungen und Demonstrationen statt. In den Tagen nach der Gewalttat breitete sich eine bespiellose Protestwelle im ganzen Land aus. In allen grossen Städten kam es zu Massendemonstrationen. Zehntausende gingen im ganzen Land auf die Strasse. Der Widerstand gegen die ausufernde Gewalt geht nun umso vehementer weiter.

Partnerorganisationen schwer betroffen aber gleichzeitig angespornt
Neben einer breiten Solidarisierung in der Bevölkerung, lassen sich auch unsere Partnerorganisationen nicht zum Schweigen bringen. Eduardo Machado von der Organisation Cipo formuliert es so: "Marielles Körper ist von uns gegangen, aber ihre Aura, ihr Denken, ihr Wille zur Veränderung, ihr Kampf gegen den Rassismus, gegen massenhafte Ermordung von Jugendlichen und Frauen, das bleibt präsent und wird sogar noch stärker."

Sehen Sie sich hier die ganze Aussage von Eduardo Machado an:



Für Menschenrechtsverteidiger ist das Leben in Brasilien gefährlich
Der Fall Marielle Franco ist alles andere als ein Einzelfall, er ist nur die Spitze des Eisberges. Brasilien ist eine Gesellschaft, in der Gewalt normalisiert ist und die von sozialen Konflikte und Spannungen zerrissenen ist. Laut Amnesty International war Brasilien im Jahr 2017 das Land, in dem weltweit am meisten Menschenrechtsverteidiger ermordet wurden. Laut dem brasilianischen Komitee für Rechtsverteidiger wurden letztes Jahr mindestens 62 Menschenrechtsverteidiger getötet. Im Mai 2017 bezeichnete der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Zeid Ra'ad Al Hussein, das Niveau der Gewalt gegen Menschenrechtler als alarmierend.

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