Youth2Youth

Youth2Youth: Jugendliche helfen Jugendlichen

Logo von Youth2Youth
HIV/Aids hat die sozialen Strukturen im südlichen Afrika stark verändert. Nach dem Verlust ihrer Eltern müssen viele Kinder und Jugendliche Verantwortung für sich und ihre Geschwister übernehmen. Das regionale Ausbildungsprogramm "Youth2Youth" richtet sich an Jugendliche, die Kinder und Gleichaltrige unterstützen und fördert ihre bereits vorhandenen Fähigkeiten.
Die Aids-Epidemie in Afrika hat Millionen von Kindern zu Waisen gemacht. In der Regel entwickeln Jugendliche, die den Verlust von Angehörigen verarbeiten müssen, ein besonderes Einfühlungsvermögen für Gleichaltrige in der gleichen Situation. Meist sind sie es, die als erste auf Missbrauchsfälle aufmerksam werden und Unterstützung suchen.
Viele Organisationen haben erkannt, wie wichtig es ist, Jugendliche in ihre Projekte mit einzubeziehen. Doch meistens bleibt es bei einem Kurztraining in Trauma-Bewältigung, Einkommensförderung oder HIV/Aids-Prävention. Die Jugendlichen erfahren jedoch bei der Umsetzung dessen, was sie gelernt haben, nicht die nötige langfristige Unterstützung.

Kinder und Jugendliche sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung
terre des hommes schweiz hat zusammen mit der international anerkannten Kinderpsychiaterin und Expertin des lösungsorientierten Ansatzes, Therese Steiner, das Ausbildungsprogramm "Youth2Youth" entwickelt. Lösungsorientiertes Arbeiten bedeutet, den Fokus auf die Stärken zu richten und nicht auf die Probleme. Es bedeutet, konsequent nachzufragen, worin jemand gut ist und diese Stärken nach und nach auszubauen. Dabei werden keine Patentrezepte verteilt, es gilt vielmehr herauszufinden, was die Betroffenen selber wollen und können. Nur sie können sich ihre Ziele setzen, die möglichst konkret, messbar und relevant sein sollen und in kleinen Schritten umgesetzt werden. Beim Erarbeiten und Finden dieser Ziele werden sie von FachberaterInnen begleitet und unterstützt.

"Youth2Youth": Ausbildung in Theorie…
Das Ausbildungsprogramm "Youth2Youth" findet in drei Modulen, verteilt über ein Jahr, statt. Darin üben die KursteilnehmerInnen das lösungsorientierte Arbeiten. Sie lernen das, was sie eigentlich schon lange tun, effektiver und nachhaltiger umzusetzen: Jugendlichen helfen, ein Dach über dem Kopf zu finden, sicherstellen, dass genügend Nahrung da ist, mit Gleichaltrigen über HIV/Aids-Prävention sprechen und Schulabgänger und Schulabgängerinnen wieder für die Schule zu motivieren.
Die KursteilnehmerInnen werden zu TrainerInnen und MultiplikatorInnen ausgebildet. Die Ausbildung befähigt die Jugendlichen, die von ihren Organisationen ausgewählt wurden und bereits über praktische Erfahrungen in der Arbeit mit Gleichaltrigen verfügen, dazu, ihre Kenntnisse zu erweitern und unter Fachbegleitung zu vertiefen. Sie lernen auch, wie sie sich untereinander organisieren, wie sie ihre Anliegen gegenüber Erwachsenen besser vortragen und ihre Ideen eigenständig verwirklichen.

… und Praxis
Unterstützt durch ein Coaching, das terre des hommes schweiz über die gesamte Dauer der Ausbildung bereitstellt, betreuen die jugendlichen KursteilnehmerInnen ein eigenes Projekt ihrer Organisation. Dieses ist darauf angelegt, die Partizipation von Kindern und Jugendlichen praxisnah zu erproben und sich mit Lernenden aus anderen Ländern und Projekten der Region auszutauschen. Zwischen den Kursmodulen müssen die TeilnehmerInnen Workshops für Mitarbeitende und Jugendgruppen durchführen und realisieren ein Projekt mit lösungsorientierten Aspekten.

Rück- und Ausblick
terre des hommes schweiz hat das Ausbildungsprogramm "Youth2Youth" konzipiert, organisiert und entwickelt es anhand der spezifischen Problemstellungen der KursteilnehmerInnen laufend weiter.
Der erste Pilotkurs endete im Mai 2009 in Südafrika. 20 Jugendliche erhielten ein Zertifikat, das sie als Anwenderinnen und Anwender für lösungsorientiertes Arbeiten auszeichnet.
Dank dieses Zertifikats haben fünf Jugendliche gleich nach der Diplomfeier eine bezahlte Arbeitsstelle gefunden. Noch im gleichen Jahr fanden Lehrgänge mit PartnerInnenorganisationen aus Moçambique, Südafrika, Tansania und Zimbabwe statt. Mittlerweile hat dieses universelle Konzept den Weg nach Zentralamerika gefunden. Im August dieses Jahres schlossen in Nicaragua weitere 20 Jugendliche den "Youth2Youth"-Lehrgang ab.
Ein Jugendlicher zeigt die orange bemalte Handfläche seiner linken Hand für die Gestaltung seiner Bodymap.

Youth2Youth in Zentralamerika

Youth2Youth in Nicaragua - das Erfolgsmodell ist in Zentralamerika angekommen

Im südlichen Afrika wird das Youth2Youth-Modell seit 2008 erfolgreich umgesetzt. Im Juli 2012 schlossen die ersten Jugendlichen aus Zentralamerika den ersten Youth2Youth-Kurs in Nicaragua ab.