Lösungorientiertes Arbeiten

Lösungs- statt problemorientiert!

Der als Therapiemodell entwickelte Lösungsorientierte Ansatz beruht auf der Beobachtung, dass es effektiver ist, sich auf die schon vorhandenen Stärken der Menschen zu stützen, statt sich darauf zu konzentrieren, was nicht funktioniert. Diese Betrachtungsweise ermöglicht den betroffenen Jugendlichen sich aus der eigenen Ohnmacht zu befreien. So ermöglicht die Arbeit von terre des hommes schweiz Jugendlichen zu Experten des eigenen Lebens zu werden.
Eine junge Frau aus Moçambique flechtet Schilfrohr.
Der lösungsorientierte Ansatz setzt konsequent auf die eigenen Stärken.
Entwickelt wurde der Lösungsorientierte Ansatz (Solution Focused Approach - SFA) von den Psychotherapeuten Steve de Shazer und Insoo Kim Berg als Therapiemodell. Sie arbeiteten in Milwaukee, USA, vorwiegend mit Menschen, die mit Problemen wie Arbeitslosigkeit, Gewalt, Drogenmissbrauch und Krankheiten kämpften. Sie merkten, dass der problemorientierte Ansatz bei diesen Menschen keine Veränderungen bewirkte. Also begannen sie sich auf die Stärken ihrer Klienten zu konzentrieren - darauf, was diese gut machten, was bei ihnen funktionierte. Das Modell, das sie für die Beratung entwickelten, wird inzwischen auch in der Pädagogik, der Wirtschaft oder der Sozialarbeit angewandt.

Expertinnen und Experten des eigenen Lebens
Für terre des hommes schweiz bedeutet SFA, dass sie nicht mit vorgefertigten Patentrezepten in die Projektländer reisen kann. Es gilt den Partnern und Menschen zuzuhören, nachzufragen, auf ihre Stärken und Ressourcen zu bauen und diese wertzuschätzen. Diese Grundsätze bewähren sich auch ganz konkret in der Arbeit der Partnerorganisationen bei der Begleitung Jugendlicher. So sind die Beraterinnen und Begleiter der Jugendlichen nicht die Experten, die Ratschläge verteilen und für deren Leben die Verantwortung übernehmen. Die Jugendlichen werden von ihnen als Experten des eigenen Lebens wahrgenommen und gefördert, sodass sie durch die Mobilisierung der eigenen Stärken eine Veränderung ihrer Situation bewirken können – mit Unterstützung, aber in eigener Verantwortung.

Eigenes Ausbildungsprogramm gegen Mangel an Know-How

Viele Organisationen haben erkannt, wie wichtig es ist, Jugendliche in ihre Projekte mit einzubeziehen. Sie leiten als Freiwillige Jugendgruppen und oft sind sie die ersten, die auf Missbrauchsfälle aufmerksam werden und Unterstützung suchen. Meist werden sie auf diese anspruchsvollen Aufgaben nur in Kurztrainings vorbereitet. Die Jugendlichen erfahren jedoch bei der Umsetzung dessen, was sie gelernt haben, nicht die nötige langfristige Unterstützung. Der Mangel an Know-How und Fachkräften für psychische und soziale Unterstützung in vielen Projektländern hat terre des hommes schweiz dazu bewogen, ein eigenes Ausbildungsprogramm zu entwickeln.

Fachstelle für psychische und soziale Unterstützung
Bei der Suche nach einem geeigneten Ansatz hat sich SFA angeboten. Dass terre des hommes schweiz als erste Organisation SFA in der Entwicklungszusammenarbeit einbringen konnte, ist der Zusammenarbeit mit Dr. Therese Steiner zu verdanken. Die Kinderpsychiaterin und Buchautorin hat das Handwerk bei de Shazer und Berg gelernt. Mit ihnen entwickelte sie SFA für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen weiter. Zusammen mit der Fachstelle für psychische und soziale Unterstützung von terre des hommes schweiz hat sie das Ausbildungsprogramm Youth2Youth entwickelt, durchgeführt und begleitet.

Youth2Youth - die Wirkung von SFA vervielfachen

Ein Jugendlicher zeigt die orange bemalte Handfläche seiner linken Hand für die Gestaltung seiner Bodymap.
In den Regionalprogrammen im südlichen Afrika, Zentralamerika und Südamerika bildet terre des hommes schweiz seit 2008 Mitarbeitende und Jugendliche der Partnerorganisationen als Multiplikatoren des Lösungsorientierten Ansatzes aus.
Das Ausbildungsprogramm "Youth2Youth" für MultiplikatorInnen findet in zwei Modulen, verteilt über ein Jahr, statt. Darin üben die KursteilnehmerInnen das lösungsorientierte Arbeiten. Für die lösungsfokussierte Gesprächsführung gibt es spezifische Methoden, die dazu anregen, die eigenen Fähigkeiten zu erkennen, sich realistische und erreichbare Ziele zu setzen und kreative Lösungen zu finden.

Theorie als Verlängerung der Praxis
SFA-Praktizierende lernen das, was sie eigentlich schon lange tun, effektiver und nachhaltiger umzusetzen: Jugendlichen helfen, ein Dach über dem Kopf zu finden, sicherstellen, dass genügend Nahrung da ist, mit Gleichaltrigen über HIV/Aids-Prävention sprechen und Schulabgänger und Schulabgängerinnen wieder für die Schule zu motivieren. Es hat sich gezeigt, dass die KursteilnehmerInnen zuallererst eine Veränderung im eigenen Leben realisieren. Sie berichten von mehr Selbstvertrauen und davon, dass sich die Kommunikation innerhalb ihrer Familien verbessert hat. Sie treffen Entscheidungen für ihr Leben und finden Wege, diese umzusetzen. Ihre eigenen Erfahrungen und Erfolge teilen sie mit den Gleichaltrigen. Während der Ausbildung dokumentieren sie diese Veränderungen im Privaten und den Projekten in Berichten, die sie für die Zertifizierung einreichen müssen.

Training of Trainers
SFA-MultiplikatorInnen werden von den Partnerorganisationen für die Trainerausbildung ausgewählt, die mit zwei weiteren Modulen verteilt über ein Jahr die Teilnehmenden befähigt, SFA-MultiplikatoreInnen auszubilden.

Lösungsorientiertes Arbeiten in der Praxis

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Sonnenuntergang im Hintergrund und eine Tafel mit der Warnung vor freilaufenden Kamelen.

Projektbeispiele lösungsorientiertes Arbeiten

Jugendliche durchbrechen die Gewaltspirale - Partnerorganisation Platohedro in Kolumbien

Mehr Rechte für Hausangestellte - Partnerorganisation Centro Loyola in Peru

Ältere Frau sitzt an einem hellen Holztisch und rechts von ihr ist das Buchcover abgebildet.

Youth2Youth - eine Zwischenbilanz

Nach acht Jahren haben Irene Bush und Dr. Therese Steiner das Youth2Youth-Ausbildungsprogramm auf den Prüfstand genommen und eine Bilanz gezogen. In einem Interview erklärt Irene Bush, wieso sie das Youth2Youth-Programm heute noch mehr begeistert als zu Beginn.

Lesen Sie das Interview mit Irene Bush hier.

Fachstelle PSS Irene Busch

Irene Bush

Fachstelle für lösungsorientiertes Arbeiten (SFA)

061 338 91 42

irene.bush(at)terredeshommes.ch