fbpx

6. November 2020

Lauwarmes Bekenntnis zu nachhaltiger Entwicklung

Bundeshaus Sdgs
Bundeshaus Sdgs

Medienmitteilung von Alliance Sud – Der Bundesrat hat heute seine Strategie nachhaltige Entwicklung (SNE) in die Vernehm­lassung geschickt. Die Schweizer Strategie zur Umsetzung der Uno-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Agenda 2030 belässt es bei schönen, aber völlig unverbindlichen Worten. Mehr als fünf Jahre ist es bereits her, dass sich die Schweiz in New York vor der Uno zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung bekannt hat. Zwei Jahre hat der Bundesrat gebraucht, um die neue nationale Nachhaltigkeitsstrategie zu formulieren. Bisher galt die SNE für vier Jahre, die neue soll bis 2030 gültig sein. Für Alliance Sud ist klar: Mit der neuen Strategie hat der Berg eine Maus geboren.

Zwar anerkennt der Bundesrat, wie wichtig umfassende und konsequent umgesetzte Nachhaltig­keit für die Zukunft von Mensch und Natur auf dem Planeten Erde ist. Auch identifiziert er drei Themenfelder, in denen die Schweiz grossen Nachholbedarf hat: «Nachhaltiger Konsum und nach­haltige Produktion», «Klima, Energie, Biodiversität» sowie «Chancengleichheit». Dazu stellt er die Verabschiedung eines Aktionsplans in Aussicht.

Rundum enttäuschend ist jedoch, mit welchen Mitteln der Bundesrat die Ziele für nachhaltige Ent­wicklung erreichen will. Der Abschnitt über die Unternehmensverantwortung erinnert fatal an die bundesrätliche Position zur Konzernverantwortungsinitiative: «Mit einer verantwortungsvollen Unternehmensführung sollen negative soziale, wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen der Geschäftsaktivitäten verringert werden.» Dringlich wäre anders. Auch bei der Ausgestaltung der Schweizer Handelsbeziehungen kommt dem Bundesrat nicht mehr in den Sinn als: «Handelsab­kommen, die im Einklang mit Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation und interna­tionalen Umweltkonventionen sind, können dazu beitragen, dass Ungleichheiten reduziert wer­den.»

Einen Verweis auf Nachhaltigkeitsbestimmungen und Menschenrechte in Schweizer Freihandelsverträgen sucht man im SNE-Entwurf vergebens. Zwar anerkennt der Bundesrat die kapitale Bedeutung des Finanzplatzes Schweiz für die globale nachhaltige Entwicklung, doch auch dort vermisst Alliance Sud eine klare Positionierung des Bundesrats. Geschäftsleiter Mark Herkenrath: «Sich zur Eindämmung illegaler Finanzflüsse zu bekennen, reicht nicht aus. Zumal der international verwendete Fachbegriff ‘unlautere Finanzflüsse’ (illicit financial flows, IFF) viel breiter gefasst ist. Es braucht auch konkrete Schritte gegen die Steuervermeidungspraktiken multinatio­naler Konzerne. Diese entziehen den Entwicklungsländern Steuereinnahmen, die für die nachhalti­ge Entwicklung enorm wichtig wären.»

Alliance Sud wird den SNE-Entwurf genau analysieren und sich an der Vernehmlassung beteiligen. Fest steht für die entwicklungspolitische Denkfabrik bereits, dass es der Bundesrat mit seinem Entwurf verpasst hat, dem internationalen Rahmen der SDG ein würdiges Pendant auf nationaler Ebene zur Seite zu stellen.


Medienmitteilung von Alliance Sud vom 4. November 2020, terre des hommes schweiz ist Partner von Alliance Sud

Strategie nachhaltige Entwicklung des Bundesrats (PDF)

Weitere Informationen:
Mark Herkenrath, Geschäftsleiter Alliance Sud, +41 78 699 58 66

Lesen Sie auch

Die Kinderrechte wirklich kennen: Lehr-Material für eine solidarische Schule

Medienmitteilung – Zum Internationalen Kinderrechtstag veröffentlichen vier Schweizer Organisationen für die Rechte und Perspektiven von Kindern und Jugendlichen ein pädagogisches Toolkit für Fachpersonen in den Bereichen Schule und Bildung. Es fokussiert das Thema Spiel, Freizeit und Erholung. Das Toolkit kann kostenlos heruntergeladen werden auf der Website www.children-rights.ch.

Weiterlesen »

COP26 in Glasgow: Feuriges Engagement für eine kühlere Zukunft

Zwei Wochen lang wird an der Klimakonferenz über die Zukunft der nächsten Generationen verhandelt. Der People’s Summit, der Gipfel der Zivilgesellschaft vom 7. – 10. November, veranstaltet zahlreiche online Events. Diesen Samstag 6. November findet ein globaler Off- und Online Aktionstag statt – mit dabei auch unsere langjährige Partnerorganisation Centro Sabiá aus Brasilien.

Weiterlesen »

Zuger Firma EuroChem importiert wieder Phosphat aus der Westsahara nach Europa

Medienmitteilung – Der Düngemittelproduzent EuroChem mit Hauptsitz im schweizerischen Zug hat im Oktober eine Schiffsladung Phosphat-Gestein aus der Westsahara in Estland in Empfang genommen. Der Phosphat-Abbau in der besetzten Westsahara verstösst gegen internationales Recht. Der Import des Phosphat-Gesteins aus der ehemaligen spanischen Kolonie ist deshalb unethisch und die Firma handelt unglaubwürdig.

Weiterlesen »
Nach oben blättern