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27. Oktober 2020

IS und bewaffnete Rebellen stören Frieden in Mosambik

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In Mosambik gefährden gleich mehrere bewaffnete Gruppierungen den Frieden. Im Norden attackieren islamistische Kämpfer Unschuldige unter der Flagge des sogenannten Islamischen Staats (IS). Im Zentrum verweigert sich eine Splittergruppe der Oppositionspartei dem Friedensvertrag mit der Regierung. Einmal mehr bieten Armut und Perspektivlosigkeit besten Nährboden für gewalttätige Banden und ihre Rekrutierer. Die internationale Hilfe gestaltet sich schwierig und könnte die Lage weiter verschärfen.

Eigentlich sollten bewaffnete Konflikte in Mosambik der Vergangenheit angehören. Am 1. August 2019 unterzeichneten die Regierung und die Oppositionspartei Renamo einen Friedensvertrag. Die Schweiz half zwischen den beiden Parteien zu vermitteln, die sich seit den 70er-Jahren immer wieder blutige Kämpfe lieferten. Allein in den Jahren von 1977 bis 1992 starben 900’000 Menschen und 1.7 Millionen Menschen mussten fliehen.

Mit dem Friedensvertrag sollte dies der Vergangenheit angehören. Die Realität im Norden und Zentrum des Landes lässt dafür aber wenig Hoffnung auf Frieden übrig. Die Provinz Cabo Delgado an der Grenze zu Tansania ist seit Monaten Ziel von Überfällen islamistischer Gruppen. Unter der Flagge des sogenannten IS wollen sie ein zentralafrikanisches Kalifat errichten, berichtet die Southern Times. Die Vereinten Nationen zählen schon über 1´500 Todesopfer und 300´000 Personen seien innerhalb Mosambiks auf der Flucht.

Norden erst mit Gasvorkommen von Interesse

Jahrelang war der äusserste Norden für die mosambikanische Regierung kaum von Interesse. Die Hauptstadt Maputo liegt 1´700 km entfernt am südlichen Ende des Landes. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit und mangelnde Perspektiven machen es islamistischen Anwerbern leicht, Nachschub für ihre Gruppierungen zu finden.

Mit dem Fund von riesigen Gasvorkommen in der Region sind grosse internationale Ressourcenunternehmen ins Land gekommen. Und mit ihnen private Sicherheitsfirmen, wie die berüchtigte russische Wagner Group. Der sogenannte IS rüstete prompt mit neuen Kämpfern aus ost-afrikanischen Ländern auf, schreibt die Militärplattform SOFREP. Dass sich in den Gebieten ohne staatliche Kontrolle das Corona-Virus ungehindert verbreiten kann, dürfte die Lage weiter verschärfen.

Unsere Partnerorganisationen in Milange, rund 500 km von Cabo Delgado entfernt, beobachten die Situation mit Anspannung. Seit Jahresbeginn hat die Anzahl der Anschläge nicht nur stetig zugenommen, sie treten nun auch immer weiter südlich in der Provinz Nampula auf.

Unsere Partner sind direkt betroffen

Auch im Zentrum Mosambiks, auf dem Korridor zwischen Beira und Chimoio, ist die Lage trotz Friedensvertrag ernüchternd. Dort hat sich eine Gruppe von der Oppositionspartei abgespaltet und widersetzt sich den Vereinbarungen. Eigentlich sollten sie sich entwaffnen und sich in die staatliche Polizei und das Militär eingliedern. Stattdessen greift die Gruppe jetzt unter dem Namen Renamo Junta zivile Busse und LKWs an.

Rot markiert, unsere Partnerorganisationen in Milange (Norden), Chimoio (Zentrum) und Maputo (Süden). Schwarz markiert, die islamistischen Angriffe in der Provinz Cabo Delgado und zunehmend auch in Nampula (Norden) sowie die Überfälle der selbst erklärten Renamo Junta zwischen Chimoio und Beira (Zentrum).

Für unsere Partnerorganisationen in Chimoio bedeutet das im Alltag immer wieder spontane Umplanung. Vor allem rund um die Wahlen im Oktober 2019 konnten sie einige Aktivitäten nicht durchführen. Die Sicherheit der Teilnehmenden und Mitarbeitenden wäre gefährdet gewesen.

Ihre regelmässigen Besuchen in den Jugendclubs ausserhalb der Grossstadt Chimoio müssen gut geplant sein und immer wieder der Sicherheitslage angepasst werden. Auch bei unserer Projektreise im Januar dieses Jahres hat uns der Konflikt im Zentrum direkt betroffen: Aus einer Autostrecke von rund 200 Kilometern von Chimoio nach Beira, wurde aus Sicherheitsgründen ein mehrstündiger Flug mit Zwischenhalt in Maputo.

Noch keine Lösung in Aussicht

Die unsichere Situation hat für die Menschen vor Ort tagtäglich weitreichende Konsequenzen. Vor allem für jene, die sich das Ticket für den Flug nicht leisten können und auf die Busverbindung angewiesen sind. Sie müssen mit der ständigen Angst leben, Opfer eines Angriffs zu werden.

Es bleibt zu hoffen, dass die Regierung die beiden Konflikte im Land bald beenden kann. Den Rebellen hat die Regierung mittlerweile einen Waffenstillstand angeboten, der Verhandlungen ermöglichen soll. Noch haben die Rebellen nicht eingelenkt. Den Kampf mit dem sogenannten IS zieht grössere Kreise. Die russische Wagner Gruppe scheint bereits wieder aufgegeben zu haben, Maputo sucht nun Hilfe bei der EU und der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC). Experten befürchten, dass mit einem direkten Eingreifen der EU oder der USA ein internationalen Stellvertreterkrieg gegen den IS ausbricht. Noch lässt sich das verhindern.

Kurzfristig wird es aber keine schnelle und friedliche Lösung für den Konflikt im Norden geben. Und einen langfristigen Frieden im Land wird es nur geben, wenn die ärmeren Bevölkerungsschichten vom Export der riesigen Ressourcenvorkommen auch ein Stück abbekommen und Jugendliche im Land eine echte Perspektive erhalten. Daran arbeiten wir mit unseren Partnern jeden Tag.

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