2025 war für terre des hommes schweiz ein Jahr mit wichtigen politischen, gesellschaftlichen und programmatischen Erfolgen. Gemeinsam mit Jugendlichen und Partnerorganisationen weltweit haben wir Räume geschaffen, in denen junge Menschen mitreden, mitgestalten und Veränderungen anstossen konnten.
COP30: Wenn Jugendliche globale Politik mitprägen

Die Weltklimakonferenz COP30 in Belém, Brasilien, war 2025 ein zentraler Meilenstein unserer internationalen Arbeit. Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus den semi-ariden Regionen Lateinamerikas (Semiáridos) haben wir Jugendliche gezielt darauf vorbereitet, ihre Perspektiven in die globale Klimapolitik einzubringen.
411 Jugendliche aus 16 Ländern nahmen an Schulungen teil, in denen es um Klimagerechtigkeit, politische Prozesse und Advocacy ging. 12 junge Delegierte – auch aus unseren Lateinamerika-Projekten – waren schliesslich in Belém an der COP30 präsent – drei von ihnen sogar direkt als Youth Negotiators in den offiziellen Verhandlungen.
Ein besonders wichtiger Erfolg dieser Arbeit war die Übergabe eines gemeinsamen Manifests der Jugendlichen aus den Semiáridos an mehr als 15 politische Entscheidungsträger*innen, darunter Regierungsvertretungen wie der Schweizer Botschafter in Brasilien und internationale Akteur*innen. Das Manifest brachte konkrete Forderungen ein – von Klimaanpassung über Agrarökologie bis zur nachhaltigen Entwicklung benachteiligter Regionen.
Ein weiterer Meilenstein: Durch die Mitwirkung und Einflussnahme auf Prozesse des Konsortiums der Gouverneure des brasilianischen Nordostens konnte die Einrichtung eines Fonds von 100 Millionen brasilianischen Reals (rund 15 Millionen Schweizer Franken) für Wiederherstellung, Monitoring und nachhaltige Entwicklung im brasilianischen Semiarido angestossen werden. Dieser Fonds ist das Ergebnis eines langen, gemeinsamen Lobby- und Advocacy-Prozesses, an dem zahlreiche Organisationen beteiligt waren. Die Jugendlichen und unsere Partnerorganisationen waren ein aktiver Teil dieser politischen Arbeit – auch im Rahmen der COP30.
Parallel dazu unterstützten wir den People’s Summit am UN-Klimagipfel, einen zentralen Treffpunkt der Zivilgesellschaft. Über mehrere Tage hinweg fanden mehr als 200 Aktivitäten statt, an denen zehntausende Menschen teilnahmen. Die Beteiligung indigener Jugendlicher und die Präsentation eines gemeinsamen Forderungspapiers an die COP-Präsidentschaft machten deutlich, wie wichtig zivilgesellschaftliche Räume für demokratische Aushandlungsprozesse sind.
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Mitbestimmung im Gesundheitssystem – Simbabwe
In Bulawayo, der zweitgrössten Stadt Simbabwes, wurden erstmals 22 junge Mitglieder von Health Centre Committees gezielt zu Gesundheitssystemen, Budgetkontrolle, Advocacy und Qualitätsmonitoring geschult. Ziel war es, die Jugend nicht nur zu vertreten, sondern echte Mitentscheidung zu ermöglichen – insbesondere bei sexueller und reproduktiver Gesundheit, mentaler Gesundheit und jugendgerechter Versorgung.
Die Schulung reagierte auf anhaltende Herausforderungen in der Provinz: mangelnde jugendgerechte Strukturen, Barrieren für junge Menschen mit Behinderungen und eine weiterhin hohe Zahl von Teenagerschwangerschaften – trotz der Beteiligung junger Menschen in den zuständigen Gremien.
Gerechtigkeit für Betroffene von Gewalt – Südafrika

In der Provinz KwaZulu-Natal unterstützen unsere Partnerorganisationen die politische Arbeit zur Einrichtung eines DNA-Labors, um die vorherrschenden massiven forensischen Rückstände bei Fällen sexualisierter Gewalt abzubauen. Verzögerte DNA-Analysen verhindern bis heute Aufklärung und Verurteilungen von Täter*innen.
Durch gezielte Forschung, eine Dokumentation, welche Überlebende ins Zentrum stellt, und kontinuierliche Advocacy-Arbeit konnten wichtige politische Fortschritte erzielt werden. Die geplante Einrichtung des Labors wäre ein entscheidender Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit.
Parlament diskutiert erstmals Gesetzesänderungen zu Schwangerschaftsabbrüchen – Simbabwe
Nach jahrzehntelanger Advocacy-Arbeit steht Simbabwe vor einem entscheidenden Schritt: Das Parlament diskutiert erstmals offiziell Gesetzesänderungen zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen.
In einem Land mit äusserst restriktiven Abtreibungsgesetzen ist allein diese parlamentarische Debatte ein historischer Meilenstein. Sie bedeutet gesellschaftliche und mediale Aufmerksamkeit, breite öffentliche Diskussionen und eine stärkere Sichtbarkeit der Lebensrealitäten von Mädchen und Frauen.
Auch wenn noch grosse Hürden zu bewältigen sind,
- die Zustimmung des Senats steht aus
- die praktische Umsetzung, insbesondere in ländlichen Gebieten, ist unklar
- Gesundheitspersonal kann Abbrüche weiterhin verweigern
ist klar: Dass sich politische Mehrheiten finden, um Gesetzesänderungen überhaupt zu diskutieren, markiert einen Wendepunkt in der Geschichte sexueller und reproduktiver Menschenrechte in Simbabwe.
terre des hommes schweiz und ihre Partnerorganisationen bleiben wachsam, informiert und engagiert. Wir setzen uns weiterhin für die sexuellen und reproduktiven Rechte von Mädchen und Frauen ein – in Simbabwe und weltweit.
Gemeinschaft, Teilhabe und sichere Räume in der Schweiz

Auch in der Schweiz war 2025 ein intensives Jahr für terre des hommes schweiz. Das Projekt MePower begleitete junge Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung in der Nordwestschweiz durch regelmässige Treffen, Freizeitaktivitäten und ein Sommerlager.
Besonders die Treffen stiessen auf grossen Anklang und das jährliche Sommerlager im Baselbieter Chinderhuus in Langenbruck war ausgebucht. Für viele neu angekommene Jugendliche – darunter mehrere minderjährige Geflüchtete aus Afghanistan und der Demokratischen Republik Kongo – bot das Lager eine willkommene Abwechslung, Gemeinschaft und Struktur in einer oft von Warten geprägten Zeit.
imagine-Festival 2025 – Synergien nutzen, politische Räume öffnen

Das imagine-Festival bot auch 2025 jungen Menschen eine Plattform für kulturellen Ausdruck, gesellschaftliche Auseinandersetzung und politische Teilhabe – getragen von einem vielfältigen Musik- und Kulturprogramm, das sich über das gesamte Wochenende erstreckte. Am 14. Juni, dem Tag des Feministischen Streiks, nutzten imagine und der Feministische Streik Basel diese Plattform für gemeinsame Diskussionen zu Geschlechtergerechtigkeit, Machtverhältnissen, Diskriminierung und gesellschaftlichem Wandel. Der Barfüsserplatz diente dabei als Versammlungsort, während imagine die Hauptbühne für Redebeiträge zur Verfügung stellte. Auch nach dem Demonstrationsumzug wurde das Programm fortgesetzt, unter anderem mit einer Vorlesung der Sozialwissenschaftlerin Danielle Isler zu Mikro-Aggressionen sowie einer Podiumsdiskussion zu Männlichkeiten im Wandel.


