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8. Juli 2022

119 Franken für einen Liter Benzin

Mobile Gesundheitsdienste Simbabwe
Mobile Gesundheitsdienste Simbabwe

Mobilität ist zentral für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Das gilt in der Schweiz genauso wie im südlichen Afrika, wo viele Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, um ihre Arbeit zu erreichen, zur Schule zu gehen oder für den Zugang zu medizinischen Dienstleistungen. Durch den weltweiten Preisanstieg im Energiesektor werden bereits teure Transportpreise nun zum Luxusgut. Das hat auch Auswirkungen auf die Arbeit unserer Partnerorganisationen im südlichen Afrika.

Alle Partnerorganisationen von terre des hommes schweiz sind auf bezahlbare Transporte angewiesen. In Simbabwe kostet der Liter Benzin mittlerweile 2,79 USD pro Liter. Für eine*n Krankenpfleger*in auf dem Land mit einem der niedrigen Durchschnittseinkommen von 60 USD pro Monat, ist das eine unvorstellbar hohe Summe. Wenn man dies mit einem Mindesteinkommen von 4‘000 CHF in der Schweiz vergleicht, ergibt das proportional einen Literpreis von 119 Franken.

Mobile Gesundheitsdienste werden teurer

Ohnehin können sich nur wenige Simbabwer*innen einen eigenes Fahrzeug leisten und sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Trotzdem machen sich r die Teuerungen bemerkbar. Das bekommt auch Siphosenkosi Siziba zu spüren. Sie ist Jugendarbeiterin bei unserer simbabwischen  . «Alle hier auf dem Land spüren den Preisanstieg. Wir auch. Weil die viele Menschen sich den Weg ins Krankenhaus oder zu einem Gesundheitsposten schon vorher nicht leisten konnten, organisierten wir regelmässig mobile Gesundheitsdienste und brachten die Krankenpfleger*innen in die Gemeinden. Wir müssen dabei nicht nur das Benzin für den Krankenwagen zahlen. Auch die Krankenpfleger*innen müssen erstmal zum Krankenwagen kommen. Diese Transportkosten sind nun kaum mehr bezahlbar.»

Auswirkungen auf die Qualität der Arbeit

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie sich die Projektkosten erhöht haben. Viele unserer Partnerorganisationen arbeiten mit Hausbesuchen in teils sehr abgelegenen Regionen, um beispielsweise HIV-positive Jugendliche bei der lebenswichtigen Einnahme von Medikamenten zu begleiten oder Opfer von Sexualgewalt und ihren Familien psychosoziale Unterstützung anzubieten. Tayson Mudarikiri, Nationalkoordinator von terre des hommes schweiz in Harare, weiss um das Dilemma vieler Organisationen: «Viele versuchen den Preisanstieg dadurch auszugleichen, dass sie die Frequenz der Besuche reduzieren. Das wirkt sich natürlich auf die Qualität unserer Arbeit und Projekte aus.»

Auf die Realität der Projektalltage flexibel reagieren

Beim letzten Besuch des terre des hommes schweiz-Team in den Projektregionen im Mai 2022 waren die steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise ein Hauptthema. Durch unseren Ansatz, auf Augenhöhe mit Lokalbüros und -personal  zu arbeiten und somit nah an den aktuellen lokalen Bedürfnissen zu sein, ist es uns auch möglich, schnell und flexibel auf die Bedürfnisse und Kontextänderungen einzugehen. Wir konnten auf diese Weise gemeinsam   schnell auf die aktuelle Situation reagieren, sodass Mobilität in einem Masse gewährleistet bleibt und für eine sinnvolle und effiziente Projektumsetzung ausreicht. Auch das macht unsere Arbeit glaub- und vertrauenswürdig für die Arbeit vor Ort.

Die steigenden Kosten im Energiebereich und damit verbundenen Nahrungsmittelsektor werden uns in der kommenden Zeit weiterhin beschäftigen. Sie möchten dabei helfen, dass wir unsere Arbeit weiterführen können? Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung. 

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