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17. Dezember 2014

ACOOC: Von der Anlaufstelle zur erfolgreichen Lobby-Organisation

Eine junge Frau von ACOOC wird im Juli 2014 an einem Anti-Militär-Festival in Bogota vom lokalen Fernsehsender Canal Capital interviewt. Im Hintergrund ist eine Bühne zu sehen.
Eine junge Frau von ACOOC wird im Juli 2014 an einem Anti-Militär-Festival in Bogota vom lokalen Fernsehsender Canal Capital interviewt. Im Hintergrund ist eine Bühne zu sehen.

Gegen Ende des Jahres wird gerne zurückgeblickt. Besonders bei unserer Partnerorganisation ACOOC lohnt sich der Blick auf das Erreichte. ACOOC, eine Anlaufstelle für jugendliche Militärdienstverweigerer in Kolumbien, ist in den letzten Jahren zu einer starken Lobby-Organisation geworden.

Die ACOOC (Acciòn Colectiva de Objetoras y Objetores de Conciencia – Kollektive Aktion für Kriegsdienstverweigerung in Kolumbien) wird seit fünf Jahren von terre des hommes schweiz unterstützt. Für die meisten Menschen in der Schweiz ist es schwer nachzuvollziehen, wie wichtig das Engagement von ACOOC für Jugendliche in Kolumbien ist. Kurz erklärt: Wer den Militärdienst leistet ist erheblichen Risiken ausgeliefert und wer ihn verweigert darf lebenslang keine geregelte Arbeit aufnehmen.

Als einfache Anlaufstelle gestartet
Angefangen hat ACOOC im Jahr 1999 als Anlaufstelle für Militärdienstverweigerer, die informative Workshops, psychosoziale Begleitung und Öffentlichkeitsarbeit betrieb. Seither hat sich ACOOC stark entwickelt. Aus einer Anlaufstelle für Militärdienstverweigerer ist eine schlagkräftige und professionelle Organisation geworden die auch politisch viel erreicht hat und teilweise als Lobby-Gruppe von Politikern, vor allem in Bogota, akzeptiert wird.

Rechtlich hat sich viel bewegt
Die Batidas, Rekrutierungen für den Militärdienst von der Strasse weg, sind vom obersten Gerichtshof für illegal erklärt worden. Dank der ACOOC und deren Verbündeten sind diese Batidas und die Wehrdienstverweigerung von einem Tabu- zu einem öffentlichen Thema in Kolumbien geworden. So wurde letzthin eine Batida vom kolumbianischen Staatsfernsehen heimlich gefilmt und in die Öffentlichkeit getragen. Dies nachdem der oberste Gerichtshof die Gewissensfreiheit in den Verfassungsrang erhob. Gleichzeitig wurde damit der Gesetzgeber beauftragt, die Möglichkeit zum Zivildienst in die Gesetze aufzunehmen. Dementsprechend hat Präsident Santos mittlerweile angekündigt eine gesetzliche Lösung zu finden sobald ein Friedensvertrag mit den FARC-Rebellen unter Dach und Fach ist.

Alarmsystem für Batidas
Während sich auf nationaler Ebene viel bewegt hat, bleibt für unsere Partnerorganisation auf der praktischen Ebene noch viel Arbeit zu tun. Obwohl Batidas illegal sind, führt das Militär diese, wenn auch weniger häufig, immer noch durch. Bis der Gesetzgeber diesem Treiben ein Ende gesetzt hat, wurde von ACOOC ein Alarmsystem gegen Batidas aufgebaut. Wird Alarm ausgelöst, kommt jemand von ACOOC und beobachtet die Vorgänge und hält diese für ein späteres Gerichtsverfahren fest.

Politische Rückendeckung in Bogota
Neben der Kreativität und der Ausdauer überzeugt die Arbeit der ACOOC auch mit der Fähigkeit sich politische Unterstützung zu suchen. So steht der aktuelle Bürgermeister von Bogota, Gustavo Petro, hinter den Anliegen unserer Partnerorganisation. Die Stadt Bogota hat in Zusammenarbeit mit ACOOC Anleitungen drucken lassen, die erklären, wie Jugendliche am besten den Militärdienst verweigern können.

Projektarbeit von terre des hommes schweiz ist ein Marathon
In Kolumbien, ein Land das durch und durch von Gewalt geprägt ist, trägt die Arbeit von kleinen Organisationen wie ACOOC erst nach vielen Jahren (grosse) Früchte. Nur ein langfristiges Engagement stärkt unseren Partnerorganisationen ausreichend den Rücken damit sie sich entwickeln können. Und dieses Engagement ist nur durch die Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender möglich. Herzlichen Dank dafür!

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