fbpx

6. April 2022

Besetzte Westsahara: Lukrativer Handel mit Konfliktmineral 

WSRW_P_Plunder
WSRW_P_Plunder

Die Phosphatvorkommen in Marokko und der besetzten Westsahara gehören zu den grössten der Welt. Der Rohstoff spielt eine beachtliche Rolle im vergessenen Konflikt um die letzte Kolonie in Afrika. Ein aktueller Bericht beleuchtet Abbau und Handel des Phosphatgesteins, das zur Produktion von Düngemitteln gebraucht wird – ein Geschäft mit Schweizer Beteiligung.  

In einem nicht-selbstregierten Gebiet wie der von Marokko besetzten Westsahara, ist der Abbau von Ressourcen laut internationalem Recht nur erlaubt, wenn das betroffene Volk sein Einverständnis gibt. Das Geschäft in der Westsahara ist also nicht nur ein ethisches, sondern auch ein rechtliches Problem.

Im Falle des Phosphats wird das Problem dadurch verstärkt, dass sowohl der Abbau als auch der Handel mit dem Rohstoff von der staatlichen marokkanischen Firma OCP abgewickelt wird. Die Erträge aus dem Phosphatabbau und -handel kommen also direkt der Besatzungsmacht zugute. Western Sahara Resource Watch (WSRW) schätzen in ihrem aktuellen Bericht «P for Plunder» den Ertrag für das Jahr 2021 auf 349 Millionen US-Dollar.

Auch Schweizer Firmen sind in das schmutzige Geschäft mit dem Phosphat involviert. Die staatlich-marokkanische Rohstoffhandelsfirma OCP betreibt unter dem Namen Saftco ein Büro in Genf. Und die in Zug ansässige EuroChem exportierte den Rohstoff nach Estland. Hauptaktionär der Firma war bis vor kurzem der sanktionierte Oligarch Andrey Melnitschenko. Schweizer Schiffsfirmen waren zudem in Transporte involviert.

Wieder Konfliktphosphat in Europa

Das Westsahara-Phosphat stammt aus der Bou Craa Mine. Wie schon im Jahr zuvor ging 2021 der grösste Teil des Phosphatgesteins, rund 40 Prozent, an die Firma Paradeep nach Indien – einer 80-prozentigen Tochterfirma von OCP selbst. Zweitgrösste Abnehmerin war die US-Firma Innophos, die 28 Prozent des gesamten Phosphatgesteins nach Mexiko importierte.

Besonders störend ist jedoch der von der Schweizer EuroChem getätigte Import des Konfliktphosphates nach Estland im Oktober 2021. Die Firma hatte schon früher Westsahara-Phosphat importiert, nach Kritik kommunizierte die Firma jedoch 2016, künftig davon abzusehen. Eine Aussage, die sie mehrfach bestätigte.

EuroChem sagte gegenüber WSRW zuletzt im Februar 2020, keine weiteren Pläne zum Import des Konfliktminerals zu haben. terre des hommes schweiz gegenüber wollte sich die Firma nicht zum konkreten Sachverhalt des Transports nach Estland 2021 äussern. 

Schiffsfirmen beteiligt

Auch Schweizer Schiffstransportfirmen waren in den Handel mit Westsahara-Phosphat involviert. Im März erreichte das Transportschiff «Hopa» den Zielhafen in China, an Bord schätzungsweise 61’000 Tonnen Phosphatgestein aus der Bou Craa Mine. Operateur der «Hopa» ist die in Genf ansässige SwissMarine Service AG.

Einer der Innophos-Transporte nach Mexiko erfolgte auf der «Genava» im September 2021. Die «Genava» ist bei der Reederei Zürich AG gelistet und befindet sich laut deren Angaben in Besitz der Bulk Shipping Switzerland AG. Auch hier war SwissMarine der Operateur. Weder die Reederei Zürich AG noch SwissMarine reagierten auf Anfragen von terre des hommes schweiz.  

Unrecht in dritter Generation

Laut verschiedenen Aussagen von OCP ist ein wesentlicher Teil des Phosphatvorkommens in der Bou Craa Mine bereits ausgeschöpft. Dies ist besonders frustrierend für die Sahrauis, die seit 1991 darauf warten, ihr Recht auf Selbstbestimmung und auf die Verwendung der eigenen Ressourcen ausüben zu dürfen.

Das damals versprochene Referendum wird seither von Marokko, das zwei Drittel der ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara seit 1975 besetzt hält, blockiert. Einen Rückschlag erlitten die Sahrauis auch Ende März, als Spanien von der UNO-Position abwich, und statt dem 1991 vereinbarten Referendum den 2007 von Marokko vorgeschlagenen Autonomieplan guthiess 

Dies ist besonders schwer zu ertragen für die jungen Sahrauis, die nun in der dritten Generation im besetzten Gebiet oder in den Flüchtlingslagern auf algerischem Boden heranwachsen. terre des hommes schweiz unterstützt ein Projekt für junge Sahrauis im Flüchtlingslager Smara.

Lesen Sie auch

Auf Kosten der Welt

Der am 6. Juli veröffentlichte Bericht der Plattform Agenda 2030, an dem auch terre des hommes schweiz mitgearbeitet hat, stellt ernüchternd fest: die Schweiz ist nicht auf Kurs mit ihrem Beitrag für eine nachhaltige Welt. Das breite Bündnis von Organisationen fordert vom Bundesrat mehr Führungsstärke, um die notwendigen Veränderungen vorzunehmen, die Armut zu halbieren, das Klima zu schützen, die Menschenrechte zu wahren und den Finanzplatz verantwortungsvoll zu gestalten. Sieben Jahre nach der Verabschiedung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung in New York zieht die Schweizer Plattform Agenda 2030 – ein Zusammenschluss von über 50 Organisationen, die in den Bereichen Umwelt,

Weiterlesen »
Mobile Gesundheitsdienste Simbabwe

119 Franken für einen Liter Benzin

Mobilität ist zentral für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Das gilt in der Schweiz genauso wie im südlichen Afrika, wo viele Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, um ihre Arbeit zu erreichen, zur Schule zu gehen oder für den Zugang zu medizinischen Dienstleistungen. Durch den weltweiten Preisanstieg im Energiesektor werden bereits teure Transportpreise nun zum Luxusgut. Das hat auch Auswirkungen auf die Arbeit unserer Partnerorganisationen im südlichen Afrika. Alle Partnerorganisationen von terre des hommes schweiz sind auf bezahlbare Transporte angewiesen. In Simbabwe kostet der Liter Benzin mittlerweile 2,79 USD pro Liter. Für eine*n Krankenpfleger*in auf dem Land mit einem der niedrigen

Weiterlesen »

Lennons Traum lebt weiter

imagine, das selbstorganisierte Projekt von terre des hommes schweiz für Vielfalt und gegen Diskriminierung, hat Geburtstag. Die pionierhafte Initiative, benannt nach dem legendären Song von John Lennon, ist mehr als ein Festival und hat eine Wirkung, die weit über den Bühnenrand hinausgeht. Alles begann mit einer spannenden Idee – ein Musikfestival gegen Rassismus, mit junger Kultur und thematischen Anstössen, im Herzen von Basel. Als 2001 einige engagierte Jugendliche das erste imagine-Festival auf dem Barfüsserplatz zum Leben erweckten, dachte wohl niemand von ihnen, dass sich dieser überschaubare Anlass in nur wenigen Jahren zum grössten, jährlich stattfindenden Openair in der Nordwestschweiz entwickeln

Weiterlesen »
Nach oben blättern