Unter den Mangobäumen von Mocuba, Mosambik, wird nicht nur gekocht – hier entsteht Hoffnung. Mit einfachen Mitteln und Wissen verwandelt Catia Lucas Armindo Bananen und Kürbisse in Einkommen. Ihr Ziel: Die eigene Familie ernähren und anderen jungen Frauen den Weg aus der Armut zeigen. Ein Workshop, der mehr ist als ein Kochkurs.
Catia Lucas Armindo hat unter den Mangobäumen alles vorbereitet: Töpfe, Abtropfsiebe, Messer und Schneidebretter, Sonnenblumenöl, Salz und natürlich Bananen. In einem anderen Bereich der improvisierten Küche sind fein säuberlich Kürbisse, Wasser, Zucker und Gewürze aufgestellt. Sie möchte heute jungen Frauen aus der ländlichen Umgebung von Mocuba ihr Wissen zu deren Verwertung und Vermarktung weitergeben. Mit ihren 19 Jahren sieht sie sich selbst nicht als Expertin, und doch hat sie bereits die nötige praktische Erfahrung, die ihren Kursteilnehmerinnen fehlt.
«Bananen und Kürbisse wachsen hier gut. Die Ernte ist meist ergiebig, aber viel verkommt oder landet im Viehtrog, weil es nicht frisch verkauft werden kann», erzählt Catia, die mit ihrer Mutter und fünf Geschwistern zusammenlebt. Sie lernte das Konservieren und Verarbeiten verschiedener Produkte während einer Kurzausbildung von Núcleo dos Amigos da Natureza e Ambiente (NANA), einer unserer sechs Partnerorganisationen in der mosambikanischen Provinz Zambezia. Jetzt zeigt sie anderen jungen Frauen, wie man aus der Ernte haltbare Produkte herstellt – und damit die Familie ernährt.
Wissensvermittlung durch Süd-Süd-Kooperation
«Das ist der Deal, den wir mit vielen jungen Menschen eingehen», sagt Jorge Cardoso, Direktor von NANA. «Wenn sie unser Training besuchen, sollen sie später das Gelernte weitergeben. Unsere Erfahrung zeigt, dass sie meist motiviert sind, das neue Wissen ihren Gemeinden zurückzugeben. Solidarität ist in ländlichen Räumen sehr wichtig.»
Das gilt auch für NANA. Bei einer Studienreise nach Brasilien durften er und zwei seiner Kolleg*innen vor zwei Jahren verschiedene Initiativen besuchen und viele Inputs mitnehmen, die sie heute in Mosambik erfolgreich umsetzen. «Solche Austauschmomente sind auch für unsere gemeinnützige Organisation essenziell. Wir sind froh, Partner wie terre des hommes schweiz zu haben, die einen solchen Austausch unterstützen!»
Praktisch und profitabel
Der heutige Workshop ist sehr praktisch organisiert. Catia erklärt und demonstriert die einzelnen Schritte. Alle Teilnehmerinnen machen gleich selbst mit. Aus den Kochbananen werden knusprige Chips; sie sind bei Tagelöhnerinnen und Fernfahrer*innen sehr gefragt. Es braucht dazu nicht viel an Material. Sie können zwar nur mit kleinem Gewinn, aber in grossen Mengen verkauft werden. Die Kürbiskonfitüre bringt mehr ein, dafür ist der Aufwand grösser und die Materialien sind teurer. Vor allem aber verrottet die eigene Ernte nicht einfach, sie wird konserviert.

Für die sechsköpfige Familie kann die junge Frau so willkommenes Bargeld generieren, denn seit dem Tod ihres Vaters vor einigen Jahren leben sie in prekären Verhältnissen. Mit dem Geld kauft sie Grundnahrungsmittel, die sie nicht selbst anbauen, oder finanziert den Schulbesuch ihrer jüngeren Geschwister.
Kaum Perspektiven auf dem Land
Catias Situation ist kein Einzelfall. Das Fehlen des Vaters und somit des Hauptverdieners kann ganze Familien weiter in die Armutsspirale treiben. Mosambik zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Fast zwei Drittel der Bevölkerung leben von weniger als zwei Franken pro Tag in grosser Armut und haben kaum Erspartes. Die Mehrheit der gut 30 Millionen Mosambikanerinnen ist in ländlichen Gebieten zuhause, viele sind Kleinbäuerinnen. Sie leben von Subsistenzlandwirtschaft – dem Anbau von Lebensmitteln für den eigenen Bedarf. Gleichzeitig sind sie anfällig für Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Wirbelstürme und Dürren, die im südostafrikanischen Land aufgrund des Klimawandels immer häufiger und heftiger auftreten.
Besonders vulnerabel sind Kinder und Jugendliche. Junge Menschen wie Catia gehören in Mosambik zur grössten Altersgruppe. Mangelnde schulische Bildung und der fehlende Zugang zu technischen oder universitären Ausbildungen bleiben eine grosse Herausforderung. Allein im Bezirk Mocuba ist mehr als die Hälfte der Jugendlichen arbeitslos. Jährlich kommen etwa 500 000 junge Mosambikaner*innen zum Arbeitsmarkt hinzu, meist ohne Ausbildung und Perspektive. Das gilt vor allem für junge Frauen.
Solidarität und Weiterbildung stärken Gemeinden
Unsere Partnerorganisation NANA unterstützt junge Erwachsene und insbesondere junge Frauen, diese Armutsspirale zu durchbrechen. «Was vielen jungen Menschen fehlt, ist eine solide Grundausbildung und etwas Startkapital», erklärt Jeremias Benjamim, Projektleiter bei NANA. Das ist in einer ländlichen Region wie um die Stadt Mocuba leichter gesagt als getan. Deshalb ist es wichtig, Einkommensmöglichkeiten rund um Landwirtschaft zu schaffen. Die Grundausbildung für junge Bäuerinnen dreht sich bei NANA um die verbesserte Produktion, Konservierung und Lagerung und um einfache, aber elementare Dinge rund um die Vermarktung der Produkte.
Catia macht dieses Training sehr gerne: «Ich sehe mich in vielen der jungen Frauen wieder. Auch ich hatte damals kaum Wissen. Das Training hat mir sehr geholfen, denn ich kann die Bananen fortlaufend verkaufen. Jetzt will ich helfen, meiner Familie und meiner Gemeinde. Denn gemeinsam sind wir stark.»
Jetzt spenden,
damit Jugendliche durchstarten können.
Gemeinsam mit unserer lokalen Partnerorganisation NANA unterstützen wir jährlich über 1000 junge Menschen unter anderem bei der Ausbildung in nachhaltiger Landwirtschaft. Wir stärken ihr Wissen rund um die Verarbeitung ihrer Produkte aus Eigenanbau und unterstützen sie bei deren Vermarktung. Damit junge Menschen wie Catia ihre Lebensgrundlagen verbessern und sich eine Zukunft aufbauen können.
Die Arbeit mit und von NANA leistet einen Beitrag an drei Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDG): Ziel 1 «Keine Armut», Ziel 2 «Kein Hunger» und Ziel 5 «Geschlechtergleichheit».


