Weil Bleiben Mut bedeutet

Luz Dey Aguirre, Familie vor dem Haus, Kolumbien, terre des hommes schweiz

Nach Jahrzehnten der Gewalt schreiben junge Menschen wie Luz Dey Aguirre und Manuela Galeano Ocampo eine neue Geschichte: In den Weilern Antioquias in Kolumbien bauen sie nicht nur Lebensmittel an, sondern stärken auch die Gemeinschaft. Mit Unterstützung unserer Partnerorganisation ACA verwandeln sie Erlebtes in Tatkraft und gestalten ein lebenswertes Heute und Morgen.

In der Ferne kräht ein Hahn. Luz Dey Aguirre ist bereits unterwegs. Fernab hektischer Städte ist sie im Weiler El Diamante im ländlichen Antioquia, Kolumbien, zuhause. Die 25-Jährige lebt mit ihren Eltern, einem älteren Bruder und einem Neffen zwischen grünen Hügeln: «Hier empfinde ich Frieden und eine schöne Verbindung zur Natur», sagt sie. Nach dem Schulabschluss in der Stadt kehrte sie zurück. «Das Landleben gibt mir Ruhe.»

Das ist im Departement Antioquia nicht selbstverständlich. Der jahrzehntelange bewaffnete Konflikt traf den Nordwesten Kolumbiens besonders hart. Die Menschen gerieten zwischen die Fronten von Paramilitärs, Guerillagruppen wie den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) oder Drogenkartellen. Sie erlebten schwere Menschenrechtsverletzungen und wurden vertrieben. So auch Luz und ihre Familie. Obwohl sich die Lage seit dem Friedensabkommen der Regierung mit der FARC vor zehn Jahren verbessert hat, bleibt der Frieden fragil, Gewalt flammt immer wieder auf. Hier zu leben und eine Zukunft aufzubauen, erfordert Mut.

Mut, der trägt

Luz ist auf dem Weg in den Heilkräutergarten. Neben dem Anbau von Lebensmitteln nutzen junge Menschen in den Weilern der Gemeinde Argelia Kräuter und Heilpflanzen, um Salben oder Seifen herzustellen. Die Produkte sind nicht nur für den Eigengebrauch, ihr Verkauf bringt zusätzliches Einkommen – wie auch die Fische aus den neuen Teichen oder die Eier aus der eigenen Hühnerhaltung.

Luz Dey Aguirre, Kolumbien, terre des hommes schweiz

«Die Organisation bot mir schon in jungen Jahren Räume, in denen ich lernen und wachsen durfte. Ich weiss nun mehr über Ernährungssouveränität, über die Rechte von uns Bäuerinnen und Bauern und über Umweltschutz. Und ich kann es gleich anwenden»

Luz Dey Aguirre, 25, Bäuerin und Jugendpromotorin

Luz träumt vom eigenen Haus und Hof. «Es ist ein schönes Gefühl, eigene Lebensmittel zu produzieren», erklärt die junge Bäuerin. «Mir ist es sehr wichtig, zu wissen, was ich esse.» Früher war das anders. «Wie viele Kinder träumte ich davon, das Dorf nach der Ausbildung zu verlassen. Ich glaubte, in der Stadt wäre mein Leben besser und dass ich auf dem Land feststecke.»

Doch Workshops unserer lokalen Partnerorganisation Asociación Campesina de Antioquia (ACA) veränderten ihr Leben. «Ich bin nun seit vielen Jahren Teil von ACA. Das hat mein Leben und Denken stark verändert.»

Was macht ACA in Kolumbien?

Die Vereinigung der Bäuer*innen von Antioquia engagiert sich für den Wiederaufbau von Vertrauen und Zusammenhalt in den Gemeinschaften sowie für die Stärkung der kulturellen Identität. Sie zeigt jungen Menschen Perspektiven auf; sie sollen eine Zukunft dort sehen, wo ihre Wurzeln sind und tun können, was sie lieben. Dafür und um das soziale Netz und Miteinander in der Region nach den konfliktreichen Jahrzehnten wiederzubeleben, unterstützt ACA die Gemeinschaften mit Kursen etwa zu biologischen Anbaumethoden oder Unternehmertum. Zudem stärkt sie Jugendliche, Verantwortung zu übernehmen und sensibilisiert zu gewaltfreier Konfliktlösung.

Heute ist die junge Frau als leidenschaftliche Promotorin in den Weilern von Argelia unterwegs. ACA hat ihr Selbstvertrauen gestärkt, ihr Mut gemacht und ihr gezeigt: Es ist möglich, auf dem Land zu leben und eigene Träume zu verwirklichen – gemeinsam mit der Familie. «Es erfüllt mich mit Freude, dass ich in den Gemeinschaften als junge Führungspersönlichkeit anerkannt werde», sagt sie stolz. Ihr Wissen und die Liebe zur Heimat teilt sie mit ihrer Gemeinschaft. Sie zeigt Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Nachbarschaft, dass sie hier eine Zukunft haben. Die ländliche Region soll endlich wieder ein lebendiger und lebensfähiger Raum sein – mit Perspektiven für alle Generationen, starken Zusammenhalt und bäuerlicher Identität.

Luz Dey Aguirre mit ihrem Sohn auf dem Feld, Kolumbien, terre des hommes schweiz
Luz Dey Aguirre stärkt mit ihrem Kräutergarten die Gemeinschaft. Foto Escuela de Creación Audiovisual, Argelia, ACA

Gemeinsam wächst mehr

In La Reina, dem Weiler nebenan, kümmert sich Manuela Galeano Ocampo um ihre Hühner. Auch sie teilt Luz’ Geschichte von Vertreibung und Neuanfang, und die Liebe zum ländlichen Leben und zur Gemeinschaft. Die 20-Jährige lernte ACA vor vier Jahren kennen: Davor, sagt sie, kam niemand in die Weiler, «es gab keinen solchen Raum des Lernens». Dafür musste man in die Stadt, was für die meisten finanziell und logistisch unerreichbar war. Seitdem ist sie Teil von ACA: «Ich habe viel gelernt, zum Beispiel, wie man im Team erfolgreich zusammenarbeitet. Oder wie man die Ernte durch biologische Produktion verbessert.» Neben dem Studium will sie das Leben in ihrer und anderen Gemeinschaften verbessern und jungen Menschen Mut machen und sie motivieren.

Mit den Hühnern für die Eierproduktion haben sie, ihre Familie und alle, die im Weiler am Projekt von ACA teilnehmen, jederzeit eigene Bio-Eier – und damit eine wichtige Proteinquelle. Das gilt auch für die Fische aus den Teichen. Wenn genug da ist, sollen auch die Nachbarn profitieren. Zusätzlich können sie durch den Verkauf von Überschüssen ein regelmässiges Einkommen erwirtschaften. Das stärkt die ganze Gemeinschaft und macht sie unabhängig.

Daniela Mathis, Medien und Kommunikation

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Porträt junger Bauer Kolumbien - terre des hommes schweiz

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