Für eine zeitgemässe internationale Zusammenarbeit

Symbolbild für internationale Zusammenarbeit, terre des hommes schweiz

Business as usual gibt es nicht mehr. Turbulente Zeiten zwingen uns als Organisation der internationalen Zusammenarbeit dazu, uns weiterzuentwickeln. Komplexer werdende Rahmenbedingungen sind auch eine Chance, unser Rollenverständnis zu schärfen. Zusammen mit über 40 Schweizer NGOs haben wir ein Manifest verabschiedet, das Prinzipien unserer Arbeit auf den Punkt bringt.

Der Druck auf die Organisationen der internationalen Zusammenarbeit spitzt sich seit Jahren zu; massive Kürzungen staatlicher Gelder und antidemokratische Tendenzen in vielen Ländern engen den Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft vermehrt ein. Geopolitische Ereignisse überschlagen sich, Gewissheiten wanken. Die internationale regelbasierte Ordnung – aufgebaut auf gemeinsamen Prinzipien und internationalen Verträgen, wie Staaten miteinander umgehen sollen – wie auch das humanitäre Völkerrecht werden offen missachtet.

Die Herausforderungen für unsere Arbeit sind enorm. Gerade in Zeiten grosser Instabilität ist es zentral, dass sich die Organisationen der internationalen Zusammenarbeit auf ihre wichtige Rolle rückbesinnen. Gleichzeitig müssen sie sich weiterentwickeln.

Partnerschaften auf Augenhöhe

terre des hommes schweiz ist überzeugt, dass unsere Partnerorganisationen vor Ort im Zentrum unserer Arbeit stehen müssen. Nur so kann die internationale Zusammenarbeit gerecht, wirksam und nachhaltig gestaltet werden. Gleichzeitig sind wir uns der problematischen historischen Wurzeln und des kolonialen Erbes der Entwicklungszusammenarbeit bewusst. Sie prägen noch heute Machtungleichgewichte und stehen gleichberechtigten Partnerschaften im Weg.

Manifest: Lokal verankert. Global vernetzt.

Mit dem im Februar 2026 lancierten Manifest für eine lokal verankerte internationale Zusammenarbeit begeben wir uns zusammen mit über 40 Schweizer Organisationen auf einen Lern- und Entwicklungsprozess. Wie können wir althergebrachte Strukturen und Muster überwinden und unsere Arbeit Schritt für Schritt dekolonisieren?

Wir wollen Machtungleichgewichte abbauen, lokale Eigenverantwortung stärken, gerechte Partnerschaften führen, eine qualitativ hochwertige Finanzierung sicherstellen und den Schutz des zivilgesellschaftlichen Raums wahren. Mehr dazu.

Für terre des hommes schweiz ist es selbstverständlich, dass unsere Projektfinanzierung direkt an lokale Partnerorganisationen geht; sie sind Expert*innen für ihre Kontexte. Dabei investieren wir in langfristige, vertrauensbasierte Partnerschaften mit gemeinsamen Werten.

Doch auch wenn das Prinzip der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen Teil unserer DNA ist, befinden wir uns auf dem Weg der Dekolonisierung noch mitten im Transformationsprozess. Derzeit setzen wir uns intensiv mit der Struktur unserer Organisation auseinander. Welche Funktionen, Rollen und Verantwortlichkeiten braucht es am Hauptsitz in Basel? Welche Aufgaben und Kompetenzen können unsere Länderbüros in Brasilien, El Salvador, Kolumbien, Nicaragua, Mosambik und Simbabwe übernehmen?

Lokal geführte Entwicklung

Verantwortung und Entscheidungsmacht sollen konsequent dorthin verlagert werden, wo Programme umgesetzt werden. Ein konkretes Beispiel ist die Co-Leitung und Co-Themenverantwortung im südlichen Afrika: Seit Anfang 2023 teilen sich je eine Person in der Schweiz und eine in Simbabwe die Verantwortung für die Programme sowie für das thematische Lernen in unseren Projekten. Entscheidungen sind dadurch stärker nach dem lokalen Kontext ausgerichtet, die Verantwortung wird gemeinsam getragen. Dies ermöglicht Mitentscheiden und Mitgestalten auf strategischer Ebene. Die Erfahrungen machen Mut und werden nun auch in Lateinamerika umgesetzt.

Weitere Veränderungen hin zu mehr lokaler Verankerung beziehen sich etwa auf die Stärkung flexibler Finanzierungsansätze, die es Partner*innen erlauben, in institutionelle Entwicklung und Innovation zu investieren. Sie ermöglichen die Förderung von Lernprozessen in den Programmländern, bei denen die Verantwortung für Wissensmanagement ganz an unsere nationalen Länderbüros abgegeben wird.

Neue Rollen – auch in der Schweiz

Wenn wir Kompetenzen von Basel an die lokalen Büros von terre des hommes schweiz in Afrika und Lateinamerika abgeben, verändert das unsere Rolle in der Schweiz. Wir können uns vermehrt auf entwicklungspolitische Debatten einlassen und uns stärker dafür einsetzen, dass die Schweizer Politik globale Gerechtigkeit und Menschenrechte weltweit ernst nimmt. Damit die Schweiz auch in turbulenten Zeiten ihren Wertekompass nicht verliert.

Andrea Zellhuber, Entwicklungspolitik

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