Westsaharas Recht auf Selbstbestimmung

Kinder spielen draussen im Sand im Flüchtlingslager Smara in der Westsahara - terre des hommes schweiz

Am 24. April 2026 gab die Schweiz eine gemeinsame Erklärung mit Marokko heraus. Darin bestätigt sie zwar den UN-Prozess für die Selbstbestimmung der Sahrauis, doch sieht sie nun erstmals Marokkos Autonomieplan als möglichen Lösungsweg an. terre des hommes schweiz zeigt sich besorgt über diese Aussage.

Nach dem offiziellen Besuch des marokkanischen Aussenministers Nasser Bourita Ende April 2026 in der Schweiz veröffentlichte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten eine gemeinsame Erklärung. Darin bezeichnet der Bundesrat Marokkos Autonomieplan von 2007 für die Sahrauis in der besetzen Westsahara als «die seriöseste, glaubwürdigste und pragmatischste Basis für die Beilegung dieses Konflikts.»

«Diese Position ist besorgniserregend, da die Schweiz sich bis anhin an den internationalen Rechtsgrundlagen orientiert und das Recht auf Selbstbestimmung der Sahrauis unterstützt hat», sagt Sylvia Valentin, Entwicklungspolitische Kampagnen, von terre des hommes schweiz.

Das Recht auf Selbstbestimmung als Kernprinzip der Entkolonialisierung

Der UN-Sicherheitsrat fasst seit 35 Jahren jährlich Resolutionen für Friedensverhandlungen zwischen Westsahara und Marokko. Seit 1991 verlängert er jedes Jahr das Mandat der UN-Friedensmission MINURSO. 2025 übernahm der Rat einen neuen Entwurf der USA (Resolution 2797), der stark von früheren Grundsätzen abweicht: den Konflikt zu lösen, indem das Sahrauische Volk in einem Referendum selbst über seine Zukunft bestimmen darf.

«Die Westsahara gehört weder zu Marokko noch zu Mauretanien noch zu irgendeiner anderen Partei. Sie gehört dem sahrauischen Volk.»

Fatma Moulay, Sahraui und Aktivistin (SONREP)

Die neue Resolution schlägt den marokkanischen «Autonomieplan» von 2007 als – einzige – Verhandlungsgrundlage vor. Der Plan beinhaltet, dass Marokko der Westsahara einen Autonomiestatus innerhalb des Königreichs gewähren will, ohne vorgängiges Referendum. Die Polisario, die offizielle und international anerkannte Vertretung des sahrauischen Volkes, wäre bereit, Autonomie als eine Option neben der Unabhängigkeit im Referendum zu akzeptieren. Doch sie darf nicht die einzige Option sein. Ein solcher Ansatz widerspricht dem internationalen Recht auf Selbstbestimmung ehemaliger Kolonien.

Marokko lobbyiert seit Jahren für seinen Autonomieplan. Erfolgreich, denn immer mehr Staaten unterstützen diese vermeintlich gute Lösung. Doch dabei wird der Wille der anderen Konfliktpartei und das Recht des sahrauischen Volkes ignoriert, selbst über seine Zukunft zu bestimmen.

«Der Autonomieplan wurde ohne uns entwickelt, wir wurden nicht gefragt. Er beinhaltet nicht die Sicht des sahrauischen Volkes über seine Zukunft.»

Najila Mohammad-Lamin, Sahraui, lebt im Flüchtlingslager Dakhla

Die Schweiz als Hüterin des internationalen Rechts sollte ihre traditionelle Position wieder einnehmen und klar das Recht der Sahrauis auf ein selbstbestimmtes Referendum unterstützen. Nur so kann sie Glaubwürdigkeit bewahren und zum gerechten Frieden beitragen.

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