4. Februar 2015

“Jetzt wissen wir besser, woran wir arbeiten wollen”

Jugendliche interviewen mit Kamera und Mikrofon andere Jugendliche.
Jugendliche interviewen mit Kamera und Mikrofon andere Jugendliche.

Wer die eigene Kultur schätzt, entwickelt auch Selbstwertgefühl. Diesem Grundgedanken folgend setzen Partnerorganisationen von terre des hommes schweiz in Peru bei ihrer Arbeit mit ausgegrenzten Jugendlichen auf kulturelle Aktivitäten wie Tanz, Theater oder Kino. Einige davon suchen nun mit Kreativität und Mut Wege, damit die Jugendlichen mit ihren kulturellen Engagements auch ein Einkommen erzielen können.
Joachim Jung, Programmkoordinator Peru

Peru ist in vielerlei Hinsichten ein Land grosser Vielfalt. Deutlich wird dies unter anderem auch bei der Bevölkerung und deren verschiedenen sozialen Schichten und ethnischen Wurzeln. In Peru leben Menschen indigener Herkunft, Menschen europäischer oder asiatischer Abstammung, Nachkommen afrikanischer Sklaven oder auch solche, die von allen Ethnien einen Teil in sich tragen. Eigentlich gibt dies dem Land einen enormen kulturellen Reichtum. Doch in Peru werden grosse Teile der Bevölkerung gesellschaftlich ausgegrenzt.

Mangel an Selbstvertrauen und tragfähige Lebensperspektiven
Die Ober- und Mittelschicht, die sich vor allem aus Weissen und Mestizen zusammensetzt, betrachtet die Kultur, Bräuche und Sprache anderer Ethnien als minderwertig. Dies tangiert einerseits die indigene Bevölkerung, die statistisch gesehen die Mehrheit stellt, aber auch die Minderheit der Afroperuaner. Der latente Rassismus in der peruanischen Gesellschaft trifft besonders die Jugendlichen hart, denn er gibt ihnen ständig das Gefühl minderwertig zu sein. Als Folge fehlen gerade diesen Bevölkerungsgruppen Selbstvertrauen und tragfähige Lebensperspektiven. Die Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen ist gross. In den ländlichen Regionen sehen viele von ihnen keine Alternative zur Migration in die Städte.

Kennenlernen der eigenen marginalisierten Kultur
terre des hommes schweiz fördert darum in Peru seit vielen Jahren Projekte zur Unterstützung ausgegrenzter und marginalisierter Jugendlicher. In diesen ist das Kennenlernen und die Entwicklung von Wertschätzung der eigenen Kultur ein zentrales Element. Der Gedanke dahinter: Wer die eigene Kultur kennt und schätzt, entwickelt auch Selbstwertgefühl. In der Arbeit mit den Jugendlichen setzen die peruanischen Partnerorganisationen daher auf unterschiedliche kulturelle Ausdrucksformen wie Musik, Tanz, Theater oder Film, wobei auch das eine oder andere Produkt entsteht.

Ökonomische Chancen: Mit Studien den Markt erkundet
Während Jugendliche in diesen Projekten an Selbstvertrauen, Mut und Tatendrang zugelegt haben, zeigte sich in den letzten Jahren aber auch immer wieder, dass Ausgrenzung und Marginalisierung insbesondere ökonomisch stattfindet. Den Ausgegrenzten mangelt es an Jobs und Einkommen. So stellte sich zunehmend die Frage, ob es auch möglich wäre, mit den kulturellen Aktivitäten Einkommen zu erzielen? Darum hat terre des hommes schweiz dieses Jahr an Hand von Marktstudien systematisch untersucht, wie es denn mit der Nachfrage nach den kulturellen Produkten der verschiedenen Projekte aussieht.

Selbstbewusste Umsetzung von Geschäftsideen
Auf Basis dieser Daten haben die Jugendlichen mit den Partnerorganisationen nun die Ausgaben den zu erwartenden Einnahmen gegenübergestellt und jeweils einen Businessplan erstellt. Die einkommensgenerierenden Initiativen der Jugendlichen sind in mehreren Projekten zu wichtigen Bausteinen geworden, wie die Beispiele von Chaski und Somos Ébano illustrieren. So unterschiedlich die zwei Projekte sind, sie zeigen beide in aller Deutlichkeit, dass die Jugendlichen stolz auf das Erreichte sind und auf das, was sie zusammen bewegen. Das gibt ihnen Selbstbewusstsein, Vertrauen und den Mut, ihr Leben in ihre eigenen Hände zu nehmen.

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