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12. August 2021

Mberwa will eine Schreinerei gründen

In der Werkstatt baut Mberwa an seiner Zukunft
In der Werkstatt baut Mberwa an seiner Zukunft

Am Tag der Jugend möchten wir die Leistung der vielen Jugendlichen feiern, die trotz ihrer prekären Lage vollen Einsatz geben. Jugendliche haben grossen Einfluss auf ihr Umfeld. Im ländlichen Tansania müssen viele jugendlichen Waisen oder Halbwaisen arbeiten, um ihre Familien zu ernähren. So bewundernswert ihre Leistung auch ist, sie verpassen dadurch Zeit in der Schule und gefährden somit die Aussicht auf einen Beruf. So ging es auch Mberwa Nyoni, bis er bei unserer Partnerorganisation einen Schreinerkurs absolvierte. Jetzt haben er und seine Familie eine Zukunftsperspektive.

Mberwa schwitzt. Der Hobel schlittert über das unebene Holz und erwischt nur ein paar Späne. Der 19-Jährige drückt fester. Ein Band hauchdünnes Holz schiesst aus dem Hobel und fällt auf den erdigen Boden.

Wir sind in der Werkstatt von Humuliza, unserer Partnerorganisation in Tansania. Hier bearbeiten heute zehn Buben im morgendlichen Sonnenlicht, das durch die Ritzen in der Holzwand dringt, ihre Stuhl- oder Tischbeine. In einer Ecke türmen sich fertige Möbelarbeiten aus dem Schreinerkurs. Die Jugendlichen sind sichtlich stolz auf ihr Können. In der Ausbildung lernen die jungen Schreiner auch, wie sie die Möbel gewinnbringend verkaufen können. So erzielen die Jugendlichen auch während der Ausbildung Einkünfte für ihre Familien.

 

 

Alle Kursteilnehmenden leben unter schwierigen Bedingungen. HIV/Aids raubt vielen Kindern und Jugendlichen  in Tansania ihre Eltern. Hier im kleinen Dorf Nshamba, fernab der nächsten asphaltierten Strasse, gibt es keine staatlichen sozialen Auffangnetze. Hier übernimmt der alleinerziehende Elternteil oder das älteste Geschwister die Verantwortung, wenn eines oder beide Elternteile sterben. (Lesen Sie hier die Geschichte von Aronia)

Zu wenig für das Schulgeld

Warum Mberwa und seine drei Brüder ohne Vater aufwachsen, möchte seine Mutter nicht erklären. Nur so viel: «Als er ging, war das Haus in einem schlechten Zustand. Wir mussten es selbst ausbessern.» Das einfache Lehmhaus ist umringt von grossblättrigen Stauden und halbhohen Nutzpflanzen. Die Familie baut an, was wächst, ernährt oder Geld bringt – zum Beispiel Bananen und Erdnüsse. Für das Schulgeld reicht das aber nicht. «Humuliza hat uns sehr geholfen. Die Organisation hat die Schulgebühren übernommen. Dafür sind wir sehr dankbar», sagt Mberwas Mutter.

Mberwas Einsatz im Schreinerkurs hat der Familie zu weiteren Einkommensquellen verholfen. Er führt uns hinters Haus. Ein paar Töpfe stehen über glühenden Kohlen, das Mittagessen köchelt leise vor sich hin. Mberwa verschwindet zwischen zwei Gehegen aus grobem Holz ins grüne Unterholz und holt ein paar Palmenblätter. Aus dem Gehege reckt sich eine Schnauze gierig nach dem Laub.

 

Mit Möbeln und Tieren in die Zukunft

«Vom Geld, das ich mit dem Möbelverkauf verdient habe, konnten wir uns einige Jungtiere kaufen.» Mberwa streckt der Ziege ein paar Blätter hin. «Wir ziehen die Tiere auf und können sie dann auf dem Markt mit Gewinn verkaufen.» Mberwa hat alle Gehege selbst gebaut – auch die für die Hühner und das Schwein. «Bei Humuliza habe ich gelernt zu planen und Budgets zu erstellen. Das Erlernte hilft mir jetzt bei unserem Tier-Projekt.» «Eigentlich hat das Wissen der ganzen Familie geholfen», ergänzt seine Mutter, «wir haben uns alle zusammengesetzt, um gemeinsam für die Zukunft zu planen.»

Einen Hof zu führen ist für Mberwa aber nicht mehr als eine gute Nebeneinkunft. Für seine Zukunft hat Mberwa andere Pläne. «Ich will irgendwann eine eigene Schreinerei gründen und Jugendliche anstellen – damit auch sie ihre Familien unterstützen können», sagt er. «Viele hier wissen nicht, was sie mit sich anfangen sollen. Mir hat das Schreinerhandwerk eine Zukunftsaussicht gegeben, das will ich weitergeben.» Darauf arbeitet Mberwa hin – Schritt für Schritt, mit Möbeln und Tieren.

Mehr Vertrauen und Zuversicht

In Armut und mit nur einem Elternteil aufzuwachsen, ist im ländlichen Tansania oft mit Stigmata verbunden. Junge Menschen wie Mberwa bekommen das täglich zu spüren – das Selbstvertrauen leidet darunter. Kaum ein Jugendlicher würde in dieser Situation an einen eigenen Betrieb glauben.

«Bei Humuliza haben wir auch Life Skills, sogenannte Lebenskompetenzen, gelernt. Ich habe jetzt mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten und mehr Zuversicht in die Zukunft. Ich traue mich, mich in einer Gruppe zu äussern und weiss, wie ich mit Stress umgehen kann», so Mberwa. «Er ist jetzt auch viel selbstverantwortlicher und zielstrebiger als früher», merkt seine Mutter an.

Damit hat Mberwa, was er für seine Zukunft braucht: Selbstvertrauen, Handwerk und – das Wichtigste – eine echte Perspektive.

Samuel Rink

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Abubakar Mutoka von terre des hommes schweiz coacht als sogenannter Technical Advisor unsere Partnerorganisationen im Nordwesten von Tansania bei der Jugendarbeit. Er spricht über seine fachliche Kompetenz und Motivation für ein besseres Leben von Jugendlichen und ihren Gemeinden in der Lake Zone. Und er erzählt eine schöne Erfolgsgeschichte aus Kigoma. Das Interview in fünf Teilen.

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