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9. Dezember 2020

«Junge Sahrauis brauchen Perspektiven» 

Keine Administrativhaft Für Kinder

Medienmitteilung  – Die Zeichen stehen auf Krieg im jahrzehntelangen Konflikt zwischen Marokko und der sahrauischen Befreiungsbewegung Frente Polisario. Die Menschenrechtsaktivistin Laila Fahkouri hält sich seit März in den sahrauischen Flüchtlingslagern in der algerischen Wüste auf. Für Jugendliche sei die Situation besonders zermürbend, berichtet sie terre des hommes schweiz. Zum Nichtstun verdammt, würden sie anfällig dafür, selbst zu den Waffen zu greifen.

«Die Jungen haben es satt, dass ihr Volk ‘vergessen’ wird», sagt die sahrauische Menschenrechtsaktivistin Laila Fakhouri (26) zum internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2020. Der «vergessene» Konflikt um die Westsahara zwischen dem Königreich Marokko und der sahrauischen Befreiungsbewegung Frente Polisario ist vor wenigen Wochen eskaliert. «Nach 29 Jahren Stillstand reisst vor allem den jungen Sahrauis der Geduldsfaden», sagt sie.

Waffenstillstand von 1991 aufgekündigt

Am 13. November sind marokkanische Militärangehörige in die UNO-Pufferzone südlich der besetzten Westsahara einmarschiertSahrauische Zivilpersonen hatten dort eine Strasse blockiert, die Marokko als Handelsroute nach Mauretanien dient. Die UNO hatte Jahre zuvor bereits gewarnt, eine solche Strasse sei problematisch für das Waffenstillstandsabkommen zwischen Marokko und der Frente PolisarioDie militärische Intervention in diesem Gebiet ist ein Bruch mit dem Abkommen. Die Polisario hat daraufhin den Waffenstillstand für beendet und Marokko den Krieg erklärt.

Die Westsahara ist seit 45 Jahren in zwei ungleiche Teile geteilt. Marokko hält zwei Drittel der Westsahara entlang der fischreichen Atlantikküste völkerwiderrechtlich besetzt, ein an Rohstoffen reiches Gebiet mit mehreren grösseren Städten. Die Polisario kontrolliert das Wüstengebiet der Westsahara an der Grenze zu Algerien. 

Zwei Drittel in den Flüchtlingslagern unter 25 Jahren

Laila Fakhouri, die vor einem Jahr auf Initiative von terre des hommes schweiz den Weimarer Menschenrechtspreis erhielt und explizit zum friedlichen Protest gegen die marokkanische Besatzungsmacht aufruft, befindet sich seit März dieses Jahres in den sahrauischen Flüchtlingslagern in der algerischen Wüste. Rund 176’000 Menschen harren dort aus, zwei Drittel davon sind junge Sahrauis unter 25 Jahren.

«Im Moment dreht sich alles um den ‘Krieg’»berichtet sieLaila Fakhouri hat Verständnis dafür, dass «die Menschen genug haben». Für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sei die Situation besonders schlimm. «Die junge Generation in den Flüchtlingslagern harrt im Niemandsland aus. Nichts tun und nicht arbeiten können bedeutet, sich unnütz zu fühlen. Junge Sahrauis brauchen Perspektiven Jugendliche, die eine Beschäftigung hätten, seien viel weniger anfällig dafür, zu den Waffen zu greifen, sagt die Menschenrechtsaktivistin. Letztlich brauche es «den politischen Willen der internationalen Gemeinschaftum diese unhaltbare Situation zu verändern», so Laila Fakhouri. 

Dritte Generation in der Verbannung

«Viele junge Sahrauis leiden unter der zermürbenden Situation», bestätigt Sylvia Valentin, Westsahara-Expertin bei terre des hommes schweiz. «Seit 29 Jahren warten sie auf das Referendum, das ihnen beim Waffenstillstand 1991 versprochen wurde», sagt sie. Inzwischen lebt die dritte Generation junger Sahrauis in den Flüchtlingslagern ohne Aussicht auf eine Verbesserung ihrer Lage, sagt sie. «Die Situation ist angespannt und die Frustration über die mangelnde Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und Untätigkeit des UNO-Sicherheitsrates ist gross», so Sylvia Valentin von terre des hommes schweiz.

terre des hommes schweiz unterstützt die Projekt- und Informationsarbeit eines Zentrums für Jugendliche und ihre Familien im sahrauischen Flüchtlingslager Smara. Die Entwicklungsorganisation setzt sich für die politische und wirtschaftliche Selbstbestimmung der Sahrauis ein und ist die Schweizer Kontaktstelle des internationalen Netzwerks WSRW (Western Sahara Resource Watch).

Mehr Informationen: https://terredeshommesschweiz.ch/laila-fakhouri

 Auskunft: Sylvia Valentin via Medienstelle, anna.wegelin@terredeshommes.ch

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