fbpx
Junge Frau, schaut direkt in die Kamera, Interview

Nicht auf Kosten des Globalen Südens sparen

Der Bund will bei der Entwicklungszusammenarbeit sparen: Im nächsten Jahr wird die neue Strategie der internationalen Zusammenarbeit (IZA) 2025 – 2028 und das Budget dafür im Parlament diskutiert. Schon jetzt ist klar, dass Kürzungen für die IZA drohen. terre des hommes schweiz hat junge Menschen in Basel zu ihrer Meinung dazu gefragt.

Der Bundesrat hat im Februar angekündigt, das Budget der internationalen Zusammenarbeit zu kürzen. Dies widerspricht klar der Meinung der Mehrheit der Bevölkerung. Eine aktuelle Umfrage zeigt: 65 % der Schweizer*innen sprechen sich für eine Erhöhung dieser Ausgaben aus. Bei jungen Menschen sind es sogar noch deutlich mehr. Laut der ETH-Studie «Sicherheit 2023» wünschen sich 78% der befragten 18 – 35-Jährigen, dass die Schweiz mehr Entwicklungszusammenarbeit leistet. Für die grosse Mehrheit der jungen Schweizer*innen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ihr Land globale Verantwortung übernimmt. Für sie ist klar: Es braucht angesichts von Konflikten und Krisen auf der ganzen Welt deutlich mehr zuverlässiges Engagement der Schweiz für die Länder des Globalen Südens. Auch die Jugendlichen unseres selbstorganisierten Jugendprojekts teilen diese Meinung.

Stimmen der Generation Global

Maria Ioana (24) hat es in einem der Interviews, die terre des hommes schweiz mit jungen Menschen in Basel geführt hat, so formuliert: «Auch die Schweiz hat in der Kolonialzeit von der Ausbeutung des Globalen Südens profitiert. Wir stehen deshalb in einer sehr starken Verantwortung. Geschichtlich gesehen haben wir die Verantwortung bis überhaupt noch nicht wahrgenommen, gerade finanziell. Dazu kommt, dass die Klimakrise vor allem durch den Westen verschuldet ist, aber sich die Auswirkungen besonders prekär im Globalen Süden zeigen, was natürlich auch mit der sozialen Ungleichheit zu tun hat. Deshalb finde ich sehr wichtig, dass die Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit erhöht werden.»

Nils (24) argumentiert «Wenn man überlegt, was alles konsumiert wird, das auf Ausbeutung von Arbeitskräften und Natur des globalen Südens basiert. Allein schon aus dem Grund hat man eine Verpflichtung nicht nur als Bürger*in, sondern als Nationalstaat die Missstände, für die man auch mit verantwortlich ist, auszugleichen.»

Lara (22) findet «Es braucht definitiv mehr Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit, weil die Schweiz, oder generell ganz Europa, der ganze Westen hat eine ganz klare Verantwortung für die humanitären wie auch die naturbezogenen Krisen im Globalen Süden. Weil wir alle konsumieren und profitieren, leiden Menschen und Natur darunter. Und es kann nicht sein, dass wir einfach unser Leben weiterleben und jetzt auch noch einfach an der Hilfe sparen und gleichviel konsumieren.»

Für eine Politik mit Zukunft

In diesen Positionen zeigt sich, dass die heranwachsende Generation sich viel stärker als Weltbürger*innen sieht als die Generationen vor ihr. Internationale Studien von Unicef belegen: Weltweit wächst eine Generation heran, die viel globaler denkt und fühlt als ihre Eltern und Grosseltern, sozusagen eine «Generation Global». Junge Menschen wachsen heute in einer hochvernetzten globalisierten Welt auf. Sie sind mit Gleichaltrigen in der ganzen Welt digital verbunden und haben dank vielfältiger weltweiter Auslandserfahrungen einen internationalen Blick. Für sie ist klar: für die grossen Herausforderungen unserer Zeit braucht es transnationale Lösungen statt eines kurzsichtigen Fokus auf staatliche Eigeninteressen. Investitionen in internationale Zusammenarbeit sind für sie ein wichtiger Beitrag, um den grossen globalen Krisen zu begegnen. Es wird Zeit, dass die Politik die Stimme der Jugend und damit die nächste Generation, ernst nimmt und sich der Wertewandel, der auch in der Schweiz im Gange ist, in konkreten politischen Entscheidungen niederschlägt.

Nach oben blättern