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10. Dezember 2019

«Recht auf Selbstbestimmung für junge Sahraui»

Laila Fakhouri, Preisträgerin des Menschenrechtspreises der Stadt Weimar am 10.12.2019. Foto zVg terre des hommes schweiz, by Samuel Rink
Laila Fakhouri, Preisträgerin des Menschenrechtspreises der Stadt Weimar am 10.12.2019. Foto zVg terre des hommes schweiz, by Samuel Rink

Der Westsahara-Konflikt ist eine anhaltende Katastrophe für die Bevölkerung der Sahrauis. Seit 1975 herrscht das marokkanische Regime widerrechtlich über diese Menschen und ihre Heimat in Nordwestafrika. terre des hommes schweiz engagiert sich seit vielen Jahren für die private, politische und wirtschaftliche Selbstbestimmung der Sahrauis. Die Entwicklungsorganisation hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass die junge Sahraui, Laila Fakhouri, am heutigen 10. Dezember mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar ausgezeichnet wird.

Am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, nimmt Laila Fakhouri den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar persönlich entgegen. Die Entwicklungsorganisation terre des hommes schweiz mit Sitz in Basel und Terre des Hommes Deutschland e.V. hatten die Menschenrechtsaktivistin, eine Sahraui aus der Westsahara, für diese Ehrung vorgeschlagen.

«Laila Fakhouri ist eine kluge und mutige junge Frau», sagt Sylvia Valentin, Westsahara-Expertin bei terre des hommes schweiz, welche die Preisträgerin nach Weimar begleitet und dort die Laudatio hält. «Sie ist eine von vielen Stimmen, die sich unverdrossen und auf friedliche Weise für das Recht auf Selbstbestimmung der Sahrauis einsetzt und die Weltöffentlichkeit auf den vergessenen Westsahara-Konflikt aufmerksam macht», so Sylvia Valentin.

Laila Fakhouri: «Für die Rechte meines Volks einstehen»
Laila Fakhouri, geboren 1994, gehört zur Minderheit der Sahrauis in Marokko. Diskriminierung, Willkür und Gewalt durch die Besatzungsmacht erfährt auch sie seit ihrer Kindheit. Sie hat Englisch studiert und arbeitet als Prozessbeobachterin, Übersetzerin und Vermittlerin im internationalen Kontext. Für ihren friedlichen Kampf für Selbstbestimmung, Menschenwürde, Wohl und Sicherheit der Sahrauis riskiert sie ihr Leben.

«Ich fühle mich moralisch verpflichtet, mich in der Öffentlichkeit für mein Volk einzusetzen», sagt Laila Fakhouri: «Ich will dafür sorgen, dass unsere Stimmen von möglichst vielen Menschen auf der Welt gehört werden.» Als Menschenrechtsaktivistin, Frau und Sahraui ist sie mehrfach gefährdet.

Westsahara, die «letzte Kolonie in Afrika»
«Die Menschenrechte der Sahrauis werden seit Jahrzehnten mit Füssen getreten und mit der Besetzung der Westsahara verstösst das marokkanische Regime gegen internationales Recht», betont Sylvia Valentin von terre des hommes schweiz.

Die widerrechtliche Besetzung der Westsahara durch Marokko nach dem Abzug der ehemaligen Kolonialmacht Spanien 1975 besteht bis heute – und dies, obwohl den Sahrauis beim Waffenstillstands-Abkommen von 1991 zugesichert wurde, dass sie in einem Referendum über die Zukunft ihrer Heimat abstimmen können. «Die Westsahara ist die letzte Kolonie in Afrika», kritisiert Sylvia Valentin. «Die internationale Rechtslage ist klar, doch der politische Wille zur Umsetzung fehlt.»

terre des hommes schweiz und die Sahrauis
terre des hommes schweiz engagiert sich seit vielen Jahren zugunsten von Jugendlichen und ihren Familien im Flüchtlingscamp Smara in der westalgerischen Wüste. Rund 174’000 Sahrauis leben dort in fünf Camps in vollständiger Abhängigkeit von internationalen Hilfsorganisationen. Gemeinsam mit dem sahrauischen Jugendverband UJSARIO unterstützt die Schweizer Entwicklungsorganisation Jugendliche beim Erlernen von Fertigkeiten wie Kochen, Nähen, IT und Fremdsprachen. In den von UJSARIO betriebenen Jugendzentren im Camp werden Spiel- und Sportanlässe angeboten und es gibt Informationsveranstaltungen zu Themen wie zum Beispiel zur sexuellen Gesundheit oder dem Westsahara-Konflikt. «Wir unterstützen Jugendliche in der Westsahara in ihrem Recht auf Selbstbestimmung», fasst Sylvia Valentin zusammen.

Neben der Projekt- und Informationsarbeit für Jugendliche und ihre Familien setzt sich terre des hommes schweiz für die politische und wirtschaftliche Selbstbestimmung der Sahrauis ein. Die Nonprofitorganisation kritisiert deshalb das Agieren ausländischer, darunter Schweizer Firmen in der besetzten Westsahara und fordert, dass solche wirtschaftlichen Aktivitäten vor Ort nur mit Einverständnis der offiziellen Vertretung der Sahrauis stattfindet.

terre des hommes schweiz ist die Schweizer Kontaktstelle des internationalen Netzwerks WSRW (Western Sahara Resource Watch).

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